Feministischer Porno ist in den letzten Jahren immer bekannter geworden und hat unser Denken und Sprechen über Pornografie verändert, sagt die Pornoforscherin Madita Oeming.

Wie groß der Markt für feministische Pornografie ist, ist schwer zu sagen, sagt die Pornoforscherin Madita Oeming, denn zur Pornoindustrie gibt es wenig konkrete Zahlen. Die wenigen Zahlen, die es gibt, ließen aber darauf schließen, dass bei Femporn von einer Nische nicht mehr die Rede sein könne.

Das gelte allerdings nur für den Bereich der bezahlten Pornografie. Schaue man auf den Pornokonsum insgesamt, der meist ohne Bezahlung laufe, dann handele es sich bei feministischer Pornografie wohl noch eher um einen Bruchteil.

"Dieses Label ist wie jedes Label sinnvoll und gleichzeitig problematisch. Also: Wer bestimmt, was feministischer Porno ist?"
Madita Oeming, Pornoforscherin

Einzuschätzen, was Femporn eigentlich ist, ist auch deshalb schwierig, weil es keine feste Definition feministischer Pornografie gibt, kein Gütesiegel oder ähnliches. Es gibt zwar verschiedene Plattformen, die Pornografie unter dem Label "feministisch" anbieten, aber eben keine Garantie, dass dort wirklich nur feministischer Porno zu finden ist.

Aber es gibt Anhaltspunkte, an denen man sich orientieren kann: Wenn etwa auf einer Plattform die Macher*innen von Pornografie als Einzelpersonen agieren, kann man in der Regel davon ausgehen, dass sie sich nicht in Abhängigkeitsverhältnissen zu Studios oder Produzent*innen befinden, so Madita Oeming. Das sei ein großer Vorteil was die Selbstbestimmtheit der Inhalte und auch die Preise anbelange.

"In den letzten beiden Jahren ist sehr viel Sichtbarkeit für feministische Pornos entstanden."
Madita Oeming, Pornoforscherin

Ob feministische Pornografie den Pornomarkt also verändert hat, lässt sich nicht eindeutig sagen. Verändert hat er aber etwas, so die Pornoforscherin: nämlich die Art, wie wir über Pornografie sprechen. Gerade in den letzten zwei Jahren sei Femporn, den es schon länger gibt, viel sichtbarer geworden und habe dadurch unser Denken verändert.

Übersättigung verändert den Porno

Laut Madita Oeming hat sich auch die Pornoszene gewandelt. Zum Beispiel gebe es jetzt mehr Frauen auch hinter der Kamera, mehr Filme mit längeren Handlungen, mit mehr Anspruch. Sie vermutet die Ursache dafür darin, dass sich der Markt im Zuge der Digitalisierung der Pornografie durch das wahnsinnig große Angebot übersättigt hat. Wer möchte, dass Menschen für Pornografie bezahlen, muss andere Dinge liefern – vor allem Qualität, glaubt sie.

Feministischer Porno verändert auch unseren Sex und unsere Beziehungen. Darüber haben wir in der Ab 21 gesprochen.