Der tote Pottwal, der Anfang der Woche vor der italienischen Küste angespült wurde, hat viele betroffen gemacht. Im Magen der Walkuh wurden 22 Kilogramm Plastikmüll gefunden - und: Das Weibchen war wohl schwanger. Unser Müll ist aber nicht das Einzige, was Pottwale im Mittelmeer gefährdet, sagt Walkenner Jan Herrmann.

Jan Herrmann sagt: "Die Zahlen der Pottwale im Mittelmeer sind betrüblich." Der Tierarzt und Walexperte, weiß, dass Pottwale im Mittelmeer eh schon in einem bedrohlichen Szenario leben, weil sie in dem Gewässer zwischen Europa, Asien und Afrika ziemlich unter sich sind. Genetische Untersuchungen hätten gezeigt, dass es zwischen den Pottwalen im Mittelmeer und denen im Nordatlantik keinen Austausch gebe. Die wirklichen Probleme der Tiere seien aber von Menschen gemacht.  

Plastik, illegale Fischerei, Lärm: Wir Menschen sind das Problem

Die Walkuh, die Anfang der Woche vor der Küste Sardiniens angespült wurde, macht das Problem deutlich. In ihrem Bauch wurden 22 Kilogramm Müll gefunden - darunter Plastik, Müllsäcke, Fischernetze und die Verpackung eines Waschmittels. Was auch gefunden wurde: Ein toter Fötus. Jan Herrmann geht davon aus, dass sie zum ersten Mal schwanger war - es habe sich um ein sehr junges Weibchen gehandelt. 

"Wir Menschen machen es den Walen ziemlich schwer."

Das Plastik im Mittelmeer werde von Jahr zu Jahr mehr, sagt Jan Herrmann. Unser Müll sei für die Pottwale - und natürlich auch für andere Lebewesen im Meer - lebensbedrohlich. Hinzu kommen weitere Faktoren, die menschengemacht sind, oder durch uns entstehen. Jan Herrmann zählt auf:

Neben Plastikmüll leiden Pottwale unter - oder verenden sogar an: 

  • Beifängen in der Fischerei
  • illegalen Treibnetzen im Mittelmeer
  • akustischen Belastungen wie seismischen Untersuchungen des Untergrundes
  • illegalen Dynamitfischereien 

Im Mittelmeer leben nur noch wenig Pottwale

Die Schätzungen, wie viele Pottwale überhaupt noch im Mittelmeer leben, gehen laut Jan Herrmann weit auseinander. Er orientiert sich an der Zahl 2500, was schon enorm wenig wäre für solch ein großes Gewässer, sagt er. Es gebe aber Schätzungen, die noch weit darunter liegen. Die Forschenden warten derzeit auf Ergebnisse einer Studie aus dem vergangenen Jahr, die derzeit noch ausgewertet wird. Was sich abzeichnet, sei aber bedenklich. 

Mittelmeer bietet Pottwalen eigentlich beste Lebensbedingungen

Dabei ist das Mittelmeer für Pottwale eigentlich ein idealer Ort zum Leben. Jan Herrmann erklärt, dass Walkenner das Meer in eine westliche und östliche Zone aufteilen. In beiden Zonen gebe es Tiefwassergebiete, was für Pottwale wichtig ist, da sie sich von Tintenfischen ernähren, die in großer Wassertiefe vorkommen. Der westliche Teil habe Wassertiefen bis zu 3500 Meter und der östliche sogar über 5000 Meter. 

Wenn wir Pottwale beobachten wollten, sei das sogenannte Levantische Meer südlich von Kreta ein guter Ort, so Jan Herrmann. Noch etwas besser sei das Balearen-Meer bei Menorca. Dort gebe es auch "Whale Watching". 

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