An der Ostküste der USA soll bald mit Schallkanonen nach Ölvorkommen gesucht werden. Eine tödliche Gefahr für Wale und andere Meereswesen, sagt ein Tierarzt und Walexperte.

Für alle Tiere, die in amerikanischen Küstengewässern leben, wird es gefährlich. Seit 1980 waren seismische Untersuchungen aus kommerziellen Zwecken vor der US-Ostküste nicht gestattet. Die Regierung von Donald Trump möchte aber grundsätzlich in den amerikanischen Küstengewässern nach Öl suchen lassen.

Die Methode: Schallkanonen schicken Schallwellen auf den Meeresboden. Anhand des Echos lässt sich bestimmen, ob und mit welcher Wahrscheinlichkeit an dieser Stelle mit Ölfunden zu rechnen ist. Die Nationale Ozeanische und Atmosphärische Verwaltung hat dieses Vorgehen als unbedenklich eingestuft.

Quälende Schallwellen für Meeresbewohner

Das sei eine große Qual für alle Meereslebewesen, besonders für die, die zur Orientierung auf ihr Gehör angewiesen sind, sagt Jan Herrmann. Er ist Tierarzt und Walexperte. Alle Meerestiere in diesem Gebiet würden unter der Sonarerkundung leiden.

Sehr langsam fahrende Schiffe werden den gesamten Bereich der Ostküste absuchen. Sie führen je 12 bis 48 Schallkanonen mit sich. Diese stoßen über lange Zeiträume immer wieder regelmäßig einen enormen Druck aus.

"Wenn den Walen das Gehörn weggeblasen wird, durch so einen enormen Schall, dann sind die akustisch blind – im besten Fall ist das reversibel."
Jan Herrmann, Tierarzt und Walexperte

Der Walexperte erklärt, dass die massiven Sonarwellen der Schiffe zu bleibenden Verwundungen des Gehörs führen können. Solche Verletzungen führten bei Walen und Delphinen, die sich akustisch orientieren, unweigerlich zum Tod.

Besondere Sorgen macht sich Jan Herrmann um die bedrohten Nordkaperwalen, die 17 Meter lang werden. Ihr Bestand ist auf 400 bis 450 Tiere gesunken. Die Nationale Ozeanische und Atmosphärische Verwaltung kümmert sich besonders intensiv um die Erhaltung dieser Wale. Die Behörde hat extra eine App entwickelt, mit der Mensch die Wale melden können, wenn sie sie sichten. 

Tierschutz gegen Wirtschaftsinteressen

Dieselbe Behörde hat jetzt die Freigabe für die Schallkanonen erteilt. Das ist ein sehr widersprüchliches Vorgehen, sagt Jan Herrmann. Viele Naturschutzorganisationen in den USA protestieren gegen die Ölsuche in Küstengewässern. Doch Jan Hermann hält ihre Chancen für gering, weil sie sich gegen die Interessen der Ölindustrie richten.

"Sie können sich ausmalen, wenn Öl im Spiel ist, wer zur Zeit den längeren Hebel in der Hand hat."
Jan Herrmann, Tierarzt und Walexperte

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