Ein weißer Wal in der Themse? Das ist kein britisches Remake von Moby Dick, sondern Realität. Ein Vogelbeobachter hat einen Beluga-Wal in dem britischen Fluss entdeckt. Die Medien sind entzückt, doch das Tier schwimmt in gefährlichen Wassern. 

Eigentlich wollte Dave Andrews nach Vögeln schauen. Damit kennt er sich aus, schließlich ist der Brite Ornithologe. Aber was ihm am Dienstag (25. September) in der Grafschaft Essex vor die Linse kam, war weiß, ziemlich groß – und definitiv kein Vogel. Dave Andrews hatte mitten in der Themse, auf der Höhe der Festungsanlage Coalhouse Fort, einen Beluga-Wal entdeckt.  

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Beluga ist eine Walart. Ihr alternativer Name Weißwal weist darauf hin: Die Tiere haben eine sehr helle Farbe. Außerdem typisch: kegelförmige Zähne und eine markante Verdickung am Kopf, auch Melone genannt. Sie gelten als sehr kommunikativ und können ungewöhnlich viele Laute hervorbringen. Brummen, Quietschen oder Zwitschern haben sie im Repertoire.

Schon die Tatsache, dass die Tiere sehr gesellig sind und in der Regel zu zehnt durch polare und subpolare Gewässer schwimmen, macht deutlich, dass wir uns Sorgen um den einsamen Themse-Beluga machen müssen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass er auf seiner Jagd nach Fischen eine falsche Abzweigung genommen hat und versehentlich in dem Fluss gelandet ist. 

Zwar kommt das Tier sowohl mit Salz- als auch mit Süßwasser zurecht, Experten sorgen sich allerdings, dass der Wal auf seiner Suche nach Tintenfischen oder Dorschen im britischen Binnengewässer eher auf Plastiktüten stoßen könnte. Dazu kommt: Die Themse ist ein viel befahrener Fluss, und Wale reagieren sehr sensibel auf Lärm.

"Er oder sie hat sich offenbar sehr verirrt und ist sehr wahrscheinlich in Schwierigkeiten."
Arktis-Experte Rod Downie von der Tierschutzorganisation WWF im Gespräch mit der britischen Nachrichtenagentur PA

Bei der Geschichte vom Wal in der Themse kommen bei vielen Briten ungute Erinnerungen auf: 2006 schwamm ein Entenwal die Themse hinauf und strandete schließlich kurz vor London. Von Krämpfen geschüttelt und völlig gestresst verendete das Tier qualvoll. Zuvor hatte es eine regelrechte Treibjagd von Privatbooten und Medienhäusern auf das Tier gegeben. 

Umweltschützer mahnen zur Zurückhaltung

Damit sich der Beluga nicht so weit ins Landesinnere verirrt, erwägt die britische Umweltschutzagentur, die Sturmflutsperrwerke der Themse zu schließen. Außerdem könnte versucht werden, das Tier per Hubschrauber zurück ins Meer zu treiben. Ein Schritt, der allerdings mit großen Risiken für das Tier verbunden wäre. Bis auf Weiteres wollen Naturschützer den Wal beobachten. Und sie ermahnen alle Wal-Enthusiasten zur Zurückhaltung. Ein Wunsch, dem sich Dave Andrews, der Entdecker des Tieres, nur anschließen kann. Er schreibt auf Twitter: "Bitte lasst keine Boote zu Wasser und lasst den Wal allein."    

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