Die chinesische Regierung schüchtert internationale Korrespondenten ein, die über die Proteste in Hongkong berichten. Auch unser Korrespondent Axel Dorloff hat das schon erlebt - er wurde festgehalten, beschattet oder musste Material löschen.

Viele Korrespondenten, die über die Proteste in Hongkong berichten, haben ihre Büros in chinesischen Städten - in Peking, Schanghai oder Shenzhen beispielsweise. Wenn sie von der Sonderverwaltungszone Hongkong zurück nach Festland-China reisen, hält die chinesische Grenzkontrolle sie immer wieder stundenlang fest.

Dlf-Korrespondent Axel Dorloff kennt das: Die Polizisten durchsuchen Laptops, Computer und Kameras. Es könne auch vorkommen, dass sie Material löschen, berichtet er. Daher sei es für Journalisten in China besonders wichtig, wachsam zu sein und im Voraus zu planen: Axel Dorloff speichert aufgezeichnete Interviews beispielsweise direkt in einer Cloud.

"Sie werden genötigt, Auskunft über ihre Berichterstattung zu geben."
Axel Dorloff, Dlf-Korrespondent in Peking

An den Flughäfen drängen Sicherheitsoffiziere die festgehaltenen Journalisten dazu, ihnen Informationen über die jeweilige Berichterstattung zu geben, sagt Axel Dorloff. Manche Reporter halten sie über Stunden unter dem Vorbehalt fest, mit einem falschen Visum unterwegs zu sein. Es gehe ihnen in erster Linie darum, die Arbeit der Reporter zu behindern. Betroffen sind Journalisten aus Europa, Nordamerika, Australien, Südkorea oder Japan. Sobald sie über die Demonstrationen in Hongkong berichten, hat die chinesische Regierung sie auf dem Schirm.

Journalisten einschüchtern, Berichte manipulieren

Axel Dorloff meint, dann helfe nur noch Tricksen: Reist er für Recherchezwecke in andere chinesische Provinzen, checkt er erst am späten Abend in sein Hotel ein. Denn: Eine Kopie von seinem Pass schicken die Hotelangestellten inklusive seines Journalistenvisums direkt an die Polizei. Ab dem nächsten Morgen sei es wahrscheinlich, dass er beschattet werde. Das bedeutet für Axel Dorloff auch, dass er seine Gesprächspartner schützen muss und sie für Interviews nur an Orten trifft, wo die Behörden sie nicht beobachten können.

"Ausländische Journalisten unter Druck zu setzen, ist in China leider Alltag."
Axel Dorloff, Dlf-Korrespondent in Peking

Trotzdem komme es vor, dass die chinesische Polizei seine Interviewpartner vorher abfängt und sie darauf hinweist, welche möglichen Konsequenzen ein Gespräch mit einem ausländischen Reporter haben könne. In manchen Fällen musste Axel Dorloff Interviews abbrechen, weil sich Sicherheitsbehörden eingemischt haben.

China zeigt die friedlichen Proteste in Hongkong nicht

Diese Maßnahmen seien ein Versuch der chinesischen Regierung, Berichte über Proteste in Hongkong möglichst brutal darzustellen, sagt unser Dlf-Korrespondent. Aus chinesischer Sicht gehe die Gewalt in Hongkong grundsätzlich von den Demonstranten aus. Deshalb zeige das chinesische Staatsfernsehen ausschließlich Bilder, die Gewalt und Chaos darstellen. Über friedliche Demonstrationen oder die Ursache der Proteste berichtet man nicht.

Vor wenigen Tagen habe das Außenministerium außerdem einen Bericht von 42 Seiten an Redaktionen rund um den Globus verschickt, der ihnen empfiehlt, wie sie über die Demonstrationen im Interesse Chinas berichten, erzählt Axel Dorloff.