„Es braucht eine Vollbremsung und die Bremsspur wird lang“ – das hat Gesundheitsminister Jens Spahn in der Pressekonferenz des RKI zu Weihnachten gesagt. Das bedeutet: Der Lockdown wird hart und wird wohl länger dauern als gedacht. Aber der Gesundheitsminister stellt auch gute Neuigkeiten in Aussicht.

Die Lage ist ernst, darin sind sich Gesundheitsminister Jens Spahn und Lothar Wieler, Chef des Robert-Koch-Instituts, einig. In einer Pressekonferenz haben sie einen Ausblick für die nächsten Wochen gegeben. Sie machen noch einmal klar: Der Lockdown wird erst dann vorbei sein, wenn die Zahlen auf einen Inzidenzwert von unter 50 gesunken sind – nicht zu einem abgemachten Termin.

Shutdown kommt in letzter Minute

Einen strikten Shutdown wünschen sich viele Experten schon lange. Nun kommt es soweit. Jens Spahn betont in der Pressekonferenz: Den Shutdown vor Weihnachten auszurufen war geboten - lieber jetzt, mit Aussicht auf Erfolg, als erst danach mit dem Risiko großer Nebenwirkungen.

Außerdem macht er deutlich: Der 10. Januar ist nur ein formales Datum. Der Shutdown könnte sich auch noch länger in den Januar und sogar Februar ausweiten, sagt Volker Fintenhammer aus dem Deutschlandfunk-Korrespondent in Berlin.

"Die Infektionszahlen von heute sind die Krankenhauspatienten von morgen - zwei Prozent der Infizierten müssen dort behandelt werden. Die Lage ist aber jetzt schon angespannt."
Volker Finthammer, Dlf-Korrespondent in Berlin

Denn die Zahlen müssen rapide sinken. Die Krankenhäuser sind derzeit schon überlastet. Die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt Sandra Ciesek berichtet in der Pressekonferenz von sterbenden Patienten und der Angst diese Krankheit selbst zu bekommen oder zu der eigenen Familie nach Hause zu tragen.

Damit verbunden: Der eindringliche Appell, sich an die verschärften Maßnahmen in den kommenden Wochen und Monaten zu halten.

Notfall-Zulassungen sind ausgeschlossen

Aber es gab auch eine gute Nachricht: Eine Zulassung des Impfstoffes ist wohl noch dieses Jahr wahrscheinlich. Allerdings nicht schon vor Weihnachten - danach sah es während der Pressekonferenz aufgrund einer Agenturnachricht kurzfristig aus.

Notfall-Zulassungen, die den Prozess beschleunigen würden, schließt der Gesundheitsminister aus: Die EU hat sich darauf geeinigt, ein reguläres Prüfverfahren auch am Corona-Impfstoff durchzuführen. Daran sind nationale Prüfstellen beteiligt und der Katalog ist umfangreicher als anderen Länder. So sollen auch Impf-Skeptikern die Zweifel genommen werden.

"Die Reihenfolge für die Impfungen steht fest - zuerst geht es vor allem um die Risikogruppen."
Volker Finthammer, Dlf-Korrespondent in Berlin

Ist der Impfstoff schließlich zugelassen, wird es um die Impfreihenfolge gehen. Dabei soll es zunächst vor allem um Risikogruppen gehen und dann um medizinisches Personal, das mit Covid-19 Patienten in Kontakt ist oder in sensiblen Bereichen wie etwa der Transplantationsmedizin arbeitet.

Reihenfolge gilt nur so lange nicht genügend Impfstoff vorhanden ist

Dann folgen Bereiche, die gesellschaftlich relevant sind, etwa das Personal der Gesundheitsämter, die das Virus weiterverfolgen müssen, berichtet Volker Finthammer. Die Priorisierung muss allerdings vom Bundestag noch beschlossen werden. Wichtig: Diese Reihenfolge gilt nur so lange nicht genügend Impfstoff für alle da ist. Sobald genügend vorhanden ist, wird es auch keine Priorisierung mehr geben.