Gesichtserkennungstools werden immer besser - und immer öfter werden wir von Videokameras gefilmt. Wer den Algorithmen entkommen will, der braucht eine Art digitale "Tarnkappe". Ob und wie das funktioniert, weiß unser Reporter.

Computerhirne, also neuronale Netzwerke, erkennen Gesichter und Gegenstände anders als Menschenhirne. Sie haben ganz eigene Kriterien, um Gesichter oder Dinge zu identifizieren. Das können ganz wenige Pixel sein, die dem Computer sagen: Hier ist ein Gesicht. Genau das können wir ausnutzen, um den Erkennungsalgorithmus zu verwirren, sagt unser Reporter Thomas Reintjes - zum Beispiel, in dem wir uns den Nasenrücken abkleben.

"Wenn Algorithmen sich ein Gesicht ansehen, ist für sie zum Beispiel der Nasenrücken zwischen den Augen besonders interessant."
Thomas Reintjes, Deutschlandfunk Nova

Wie Gesichter unidentifizierbar werden 

Der Künstler Adam Harvey hat das schon vor ein paar Jahren gemacht: Er hat Models Extensions verpasst und sie so gestylt, dass Strähnen unter anderem über den Nasenrücken liefen. Er hat sie außerdem sehr extravagant aber effektiv geschminkt. Das alles führte dazu, dass die Gesichter für den Computer nicht mehr erkennbar waren. Was für unser menschliches Auge also sehr auffällig ist, macht es für Algorithmen unter Umständen unsichtbar. So ein Style ist aber nicht jedermanns Sache. "Wissenschaftler und Künstler haben sich darum Gedanken drüber gemacht, wie man sowas alltagstauglicher machen kann", sagt Thomas Reintjes.

Muster lenken die Aufmerksamkeit ab

Ebenfalls Adam Harvey hat vor einem Jahr auf dem Chaos Communication Congress ein neues Projekt vorgestellt: einen pixelig bedruckten Stoff.

"Wir sehen da nicht viel drin, nur ein paar Farbkleckse eigentlich. Aber das Muster hat genau die Features, auf die ein Gesichtserkennungssystem anspringt."
Thomas Reintjes, Deutschlandfunk Nova
  • Der Stoff, als Kopftuch oder als T-Shirt getragen, lenkt die künstliche Intelligenz ab. Das Muster ist für die KI so interessant, dass sie das eigentliche Gesicht übersieht.
  • Noch ein ähnliches Beispiel: Wissenschaftler haben eine Brille entwickelt, die wie eine Art digitale Tarnkappe funktioniert. Es ist eine ausdruckbare Brille aus Papier, auf der ein für uns wildes, buntes Muster zu sehen ist. Der Gesichtserkennungsalgorithmus kapituliert bei dieser Brille.
  • Oder: Es gibt runde Aufkleber, die die Gesichtserkennung ebenfalls ausschalten. "Das Muster auf dem Aufkleber sieht für den Computer aus wie ein Toaster. Für uns ist es einfach nur bunt."

Digitale Tarnung auf Zeit 

Diese Tricks werden nicht für immer funktionieren: Die Gesichtserkennung entwickelt sich weiter, die Programme werden immer besser: "Es ist ein Wettrüsten, weil die Erkennungsalgorithmen natürlich auch besser werden", sagt unser Reporter.

Und die ganze Sache birgt auch Gefahren: Gesichtserkennung und Bilderkennung allgemein werden immer öfter für Zugangskontrollen oder andere Sicherheitsanwendungen eingesetzt. Nach Angaben des Künstlers Adam Harvey werden seine Projekte auch beim Pentagon und Geheimdiensten wahrgenommen. Unter anderem hat er nämlich auch eine Art "Thermo-Burka" entwickelt, die für die Infrarotkameras - etwa von Drohnen - unsichtbar machen soll.

A magazine employee poses next to an Anti-Drone Burqa in the 'Stealth Wear: New Designs for Counter Surveillance' exhibit at the Tank Magazine space in London, Britain, 23 January 2013. The project presents a Stealth Wear clothing collection, created by US artist Adam Harvey, that protect against spying equipment.
© dpa
Die Thermo-Burka in einer Ausstellung, ank Magazine space, 2013

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