Wenn uns Unrecht wiederfahren ist, dann reagieren wir darauf mit Rachegedanken. Diese können heilsam sein, sagt die Psychologin Denise Ginzburg. Es gebe aber auch Menschen, die aus ihren Gefühlen wahre Racheakte machten, wie der ehemalige US-Präsident Donald Trump. Das sei eher besorgniserregend.

Rache ist nicht gleich Racheakt, das müsse man von einander abgrezenzen, sagt die Psychologin Denise Ginzburg. Es gebe eine Gruppe von Menschen, die das Gefühl haben, besonders viele Freiheiten zu haben oder über anderen Menschen zu stehen. Zu dieser Gruppe gehört auch der ehemalige US-Präsident Donald Trump, sagt die Psychologin.

Trump auf Rachefeldzug

Donald Trump hat vor Tausenden seiner Anhängern in Wellington im Bundesstaat Ohio mächtig ausgeteilt. Das war eine von mehreren Veranstaltungen, auf denen er seine Meinung kundtut. US-Medien sprechen bereits von einem Rachefeldzug. Sicherlich hegt er Rachegefühle, denn aus seiner Sicht wurde er um das Amt betrogen.

Denise Ginzburg erklärt, dass Menschen wie Donald Trump glauben, das Recht zu haben, anderen zu schaden. Wenn diese Menschen eine Kränkung, auch wenn sie sehr klein ist, erfahren, reagieren sie extrem.

"Trump fühlt sich schon provoziert, wenn man ihn nur ein wenig herausfordert. Dann schießt er sofort mit Kanonen auf Spatzen."
Denise Ginzburg, Psychologin

So eine Form von Racheakten hält die Psychologin für besorgniserregend. Dagegen sei Rache zunächst einmal ein ganz normales Gefühl, sagt Denise Ginzburg. Meist kommen die Rachegefühle in uns hoch, wenn uns Unrecht angetan wurde. Dann hätten wir den Wunsch, das erlittene Unrecht auszugleichen, indem wir es dem anderen heimzahlen. Dadurch können wir unseren Selbstwert oder unsere Anerkennung wiederherstellen, erklärt die Psychologin.

"Wenn uns ein Unrecht angetan wurde, unser Ansehen gesunken ist, weil wir vor einer Gruppe bloßgestellt wurden, kommen in uns Rachegedanken hoch."
Denise Ginzburg, Psychologin

Hinter diesem erlittenen Unrecht kann beispielsweise eine Beschädigung unseres Ansehens stecken, indem wir vor einer Gruppe bloßgestellt wurden, sagt Denise Ginzburg. Es kann aber auch sein, dass jemand anderer aus unserer Sicht unseren Erfolg einheimst, also unverdient. Diese Ereignisse führen dazu, dass wir uns selbst als immer kleiner in unserer Wirksamkeit wahrnehmen. "Dann fühlen wir uns minderwertig oder beschämt", sagt die Psychologin. Auf Dauer sei das nicht gesund.

Rache zur Selbstbehauptung nutzen

Deshalb sei es wichtig, sich von solchen Ereignissen abzugrenzen und eine gewisse Selbstbehauptung an den Tag zu legen. Beispiel: "Hey, das mag ich nicht, wenn du meine Lorbeeren einheimst." Indem wir diese Botschaft selbstbewusst vermitteln, heilen wir das erlebte Unrecht.

Die Psychologin grenzt Selbstbehauptung von Rache ab. "Rache ist ein ganz natürliches Gefühl, das schon kleine Kinder haben", so Denise Ginzburg.

"Rachefantasien sind in Ordnung und sogar ein bisschen gesund. Danach fühlen wir uns kurzzeitig besser. Wen wir uns ausmalen, was wir alles tun könnten, fühlen wir uns nicht mehr so ohnmächtig."
Denise Ginzburg, Psychologin

Wichtig sei aber, dass Rachegefühlen zeitlich begrenzt sind, erklärt die Psychologin. Wenn sich daraus eine reine Vergeltungssituation mit der anderen Person entwickele, würde das niemanden helfen, sondern alle Beteiligten würden sich noch schlechter fühlen.

"Ganz wichtig: Nicht in einen Racheakt zu verfallen!"
Denise Ginzburg, Psychologin

Stattdessen sollten wir uns unsere Gefühle und die Verletzung bewusst machen, um diese angemessen zu äußern. Das kann dazu beitragen, dass Missverständnisse ausgeräumt werden, wenn womöglich die andere Person gar nicht weiß, was sie durch ihre Äußerung oder ihr Verhalten verursacht hat.

Wenn uns jemand bewusst schadet, sollten wir selbstbewusst auftreten und sagen, dass wir dieses Verhalten nicht weiter dulden und auch Konsequenzen androhen. "Das ist nicht mehr Rache, sondern ganz klar Selbstbehauptung", sagt Denise Ginzburg.