Hamburger sind borniert, Rheinländer gesellig und Schwaben fleißig - alles Stereotype. Wissenschaftler haben 73.000 Deutsche befragt und herausgefunden, wie wir Deutschen - je nach Landstrich - wirklich ticken. 

Was ist an den Klischees dran, mit denen wir Deutsche aus verschiedenen Regionen und Bundesländern kategorisieren? Das hat ein Team von Forschern jetzt genauer untersucht. 73.000 Deutsche haben sie dafür befragt und eine psychologische Landkarte erstellt. 

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Genau genommen haben die Wissenschaftler sogar fünf Landkarten angefertigt. Denn mit ihrem Fragebogen haben sie erforscht, wie die Big Five bei den Deutschen gewichtet sind. Die Big Five – das sind fünf Eigenschaften, die bei Erwachsenen relativ konstant bleiben: 

Die Big Five

  1. Offenheit für Erfahrungen
  2. Geselligkeit
  3. Empathie
  4. Gewissenhaftigkeit
  5. Neurotizismus (zum Beispiel Ängstlichkeit und geringe emotionale Stabilität)

Nord-Süd-Gefälle bei Offenheit

Viele von uns glauben zum Beispiel, dass Rheinländer aufgeschlossener seien als Hamburger. Auf den ersten Blick scheint an dieser Theorie etwas dran zu sein: Bei dieser Charaktereigenschaft gibt es ein Nord-Süd-Gefälle, dass durch die farbliche Verteilung auf der psychologischen Deutschlandkarte deutlich wird. Der Norden ist überwiegend blau eingefärbt (weniger aufgeschlossen) und der Süden überwiegend rot (aufgeschlossener). 

Mehr aufgeschlossene Leute in den Städten

Innerhalb dieses Nord-Süd-Gefälles gibt es allerdings eine ganz entscheidende Ausnahme: In sehr großen Städten und in den Regionen im Umland leben auch im Norden viele offene Menschen: Einwohner von Hamburg und Bremen sind zum Beispiel sehr aufgeschlossen. Sie sind sogar offener als Menschen aus Frankfurt am Main oder Düsseldorf.

Stadt und Land unterscheiden sich

In Sachen Geselligkeit sind Hamburg und Bremen genauso weit vorne wie Köln, München oder Stuttgart. Die Erklärung: Die meisten Unterschiede gibt es nicht zwischen Nord und Süd, sondern eher zwischen Stadt und Land. 

"Man hat hier keine große Manövriermasse Ost und West, die man gegeneinander vergleicht, sondern jede Region hat auch eine vorsozialistische Geschichte, wie im Fall von Ostdeutschland."
Michael Wyrwich, Universität Jena

Und auch sonst ist an einigen Deutschlandklischees nichts dran, haben die Forscher herausgefunden. So lässt sich in Sachen Aufgeschlossenheit auch kein Ost-West-Gefälle ablesen, weil die großen Städte deutlich herausstechen. Einwohner von Berlin, Leipzig und Dresden sind zum Beispiel sehr offen, wobei die meisten Regionen in Mittel- und Ostdeutschland eher als ungesellig eingestuft werden. 

Ost und West sollten wir also nicht als Maßstab zur Unterscheidung heranziehen. Der Grund: Im Osten gelegene Bundesländer wie Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt weisen sehr deutliche regionale Unterschiede auf. Und was viel zu oft vergessen wird: Deutschland hat eine lange Geschichte, die weit über die Jahre der Teilung hinausweist – und die eben immer noch prägend ist. 

"Die Vorgeschichte einer Region spiegelt sich teilweise in den Karten wider. Indem sich eben keine ganz klare ehemalige DDR-Linie abzeichnet."
Michael Wyrwich, Universität Jena

Die Forscher vermuten, dass die Gewichtung von Charaktereigenschaften zum Teil viel weiter zurückliegt. Ihr Eindruck: Die emotionale Stabilität ist dort besonders stark ausgeprägt, wo vor Tausenden von Jahren die Römer im heutigen Deutschland ansässig waren, also im Süden und Südwesten. 

Warum der Einfluss der Römer in Deutschland auch im dritten Jahrtausend noch so prägend ist, haben die Wissenschaftler noch nicht abschließend geklärt. Was allerdings als gesichert gilt: Migration kann dazu beitragen, dass regionale Unterschiede verschwimmen. Und dann haben die Forscher noch ein sehr spannendes Phänomen entdeckt: Wer vom Land in die Stadt zieht, ist besonders offen. Noch offener als Menschen, die schon seit langer Zeit dort leben.  

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