Aylin Karabulut hat Rassismus-Erfahrungen in Schulen erforscht. Das zentrale Ergebnis: Bedrückende Erlebnisse gehören für viele Schülerinnen und Schüler zum Alltag.

Die Beispiele sind zahlreich: Der Satz "Bei Dir merkt man schon, dass Du keine Deutsche bist" ist ein Klassiker. "Eine Schülerin hat mir erzählt, dass sie immer mit dem IS gleichgesetzt wird, weil sie Muslima ist", sagt Aylin Karabulut, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni-Duisburg-Essen.

Für ihre Masterarbeit hat sie den Augsburger Wissenschaftspreis für interkulturelle Studien gewonnen. Darin hat sie in Gruppen-Diskussionen die Rassismus-Erfahrungen von Schülerinnen und Schülern an acht Schulen erforscht.

"Rassismus ist häufig nicht intentional, aber institutionell verankert."
Wissenschaftlerin Aylin Karabulut

Gerade Rassismus-Erfahrungen in der Schule würden die Schülerinnen und Schüler als besonders einschneidend wahrnehmen, sagt Aylin. Schließlich sei Schule ein besonders wichtiger Ort und ein formaler Abschluss ausschlaggebend für den weiteren Werdegang.

Die Ergebnisse ihrer explorativen Studie stoßen nicht überall auf Gegenliebe. "Viele Menschen wollen es nicht hören, gerade wenn sie weiß sind", sagt Aylin. "Das sorgt für viel Ablehnung. Und die kriege ich dann auch zu spüren." Erst recht als Scientist of Colour.

"Schulen haben kein Problembewusstsein für institutionellen Rassismus."
Wissenschaftlerin Aylin Karabulut

Dabei geht es Aylin nicht darum, Bashing von Lehrerinnen und Lehrern zu betreiben, sagt sie. "Aber wir brauchen ein anderes Verständnis von Rassismus. Und einen anderen Diskurs darüber." Dazu würden zum Beispiel auch unabhängige Anti-Diskriminierungs-Stellen in jedem Bundesland gehören. Zurzeit gibt es die in genau einem Bundesland: in Berlin als Pilotprojekt.

In Eine Stunde Talk erzählt Aylin Karabulut, wie sie es geschafft hat, dass die Jugendlichen sich ihr geöffnet haben, welche Rolle der Rapper Haftbefehl für sie spielt und was sie sagt, wenn sie mal wieder gefragt wird, wo sie denn wirklich herkomme.