Eine Familie bekommt für drei Wochen neue Haustiere. Beispielsweise drei Hühner. Und dann muss sie sich entscheiden: Essen oder leben lassen? So funktioniert eine neue Reality-Show im britischen Fernsehen. Der Effekt aufs Publikum ist dabei größer als bei vielen Dokus.

Dass viel Fleischkonsum negative Effekte auf Mensch und Umwelt haben kann, das ist keine Neuigkeit. Aber den meisten Dokus, die darauf abzielen, unser Essverhalten zu ändern, gelingt das nicht – trotz häufig schockierender Bilder. Die britische Reality-Show "Meat the Familiy" funktioniert anders und schafft es damit, die Zuschauer zum Nachdenken anzuregen.

Reality-Show regt zum Nachdenken über Fleischkonsum an

Vordergründig geht es in der Show um eine Familie, die vor die Wahl gestellt wird: Will sie trotz dem durch die Show erworbenen Wissen weiter Tiere essen? Sie müssen sich nämlich nicht nur täglich um die Tiere kümmern, sondern bekommen auch Infos über beispielsweise die schlechte Haltung von Hühnern.

Thomas Waitz, Medienwissenschaftler an der Uni Wien, glaubt, dass dadurch auch das Publikum vor die Wahl gestellt wird, wie es selbst handeln würde. Auch wenn die Show die Zuschauer nicht direkt anspricht, jeder wird zum Nachdenken angeregt.

"Es geht um uns als Zuseherinnen und Zuseher. Die Show läuft ja wirklich darauf hinaus, dass am Ende die Akteurinnen und Akteure und wir vor die Wahl gestellt sind."
Thomas Waitz, Medienwissenschaftler
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Auch Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Ina Plodroch, die sich die Serie angeschaut hat, war erstaunt: "Ich habe absolut nichts Neues gelernt, trotzdem habe ich anders über meinen Fleischkonsum nachgedacht."

Indirekte Erziehung

Denn das Interessante sei, dass die erzieherische Botschaft in Formaten wie dieser Show deutlich besser funktioniere als in den zahlreichen Dokumentationen, die täglich im Fernsehen laufen, erklärt Thomas Waitz. Das Rezept der Serie: Die konkrete Botschaft „Essen von Tieren ist schlecht“ wird nicht ausgesprochen.

"Das Programm ist ja gerade deshalb so interessant, weil es eben nicht erziehen will, weil es nicht eine ganz klare Botschaft sendet: ‚Du isst Fleisch, und das ist schlecht.‘"
Thomas Waitz, Medienwissenschaftler

Die Botschaft sei laut Thomas Waitz viel niederschwelliger. Es gehe mehr darum, dem Publikum zu sagen: "Fleisch essen könnte ein Problem sein. Denk mal drüber nach!"

Die Serie reflektiert einen Wandel

Die Serie, so scheint es, reflektiert einen gesellschaftlichen Wandel. Eine Fernsehproduzentin sagt in der FAZ zu diesem Format: "Es geht nicht mehr um Sex oder Drogen. Fleisch wird das nächste Tabu".

Übrigens: Die Familie der Hühnchen entschied sich am Ende für: "Slaughter" - also: Ab auf den Schlachthof!