Recherchen von Focus und taz

Das ist dran an den Netzwerken im Untergrund

Zuerst berichtete der Focus, zuletzt die taz mit einer großen Recherche. In Deutschland soll es ein rechtes Netzwerk im Untergrund geben, dem Polizisten, Soldaten und Verfassungsschützer angehören. Sie teilen rechtes Gedankengut und warten auf den Tag X. Eine krasse Geschichte. Doch bislang finden die Recherchen wenig Resonanz. Warum das so ist, darüber reden wir mit unserem Sicherheitsexperten Gerwald Herter.

Dieses rechte Netzwerk arbeite auf den Tag X hin, um die Macht zu übernehmen. Sie wollen dann vermeintliche Gegner aus dem linken politischen Spektrum festsetzen oder sogar liquidieren. Strippenzieher des Netzwerkes soll der 33-jährige Bundeswehrsoldat Andre S. sein. Deckname: Hannibal. Die taz berichtete, ebenso der Focus.

Wie groß ist das rechte Netzwerk?

Sieben Prepper-Chatnetzwerke soll es geben, sagt unser Sicherheitsexperte Gerwald Herter. Prepper sind Menschen, die sich akribisch auf mögliche Krisen und Katastrophen vorbereiten. "Nicht alle Prepper sind Verschwörungstheoretiker oder gar kriminell", sagt Gerwald Herter. Aber in diesen Chatnetzwerken sollen auch extrem rechte Gedanken geäußert und geteilt worden sein.

In vielen Medien – auch bei uns – wurden die Recherchen dennoch kaum aufgegriffen oder gar weitergedreht. "Die Geschichte ist eben schon weit recherchiert worden. Zuerst vom Focus, dann von der taz", sagt Gerwald Herter. "Es klingt ausrecherchiert."

Aber Gerwald Herter nennt noch einen Grund. Durch die Recherchen werde suggeriert, dass es ein deutschlandweites Netz gebe, das sogar bis nach Österreich und in die Schweiz reiche. "Es sind Indizien, Beweise hat man nicht", sagt Gerwald Herter.

"Aus meiner Sicht ist das eine Ermittlungshypothese."
Gerwald Herter, Dlf-Sicherheitsexperte

Es gab schon Mitte September 2017 Untersuchungen in den Kasernen der Elitetruppe "Kommando Spezialkräfte". Gerwald Herter sagt: "Ich glaube nicht, dass das Bundeskriminalamt zögern würde, Haftbefehle zu beantragen, wenn die etwas hätten, was wirklich beweisfest ist."

Die Bundeswehr hat Probleme mit Rechtsextremismus

Dennoch ist auch klar, dass die Bundeswehr mit rechtsextremen Stimmen in den eigenen Reihen zu tun hat. "Es gibt dazu keine wissenschaftliche Untersuchung oder eine durchgehende Befragung", sagt Gerwald Herter. Er findet, dass es aber wünschenswert wäre.

Seit Mitte 2017 werden Bewerber bei der Bundeswehr vom Bundesamt für den Militärischen Abschirmdienst auf rechtsextreme Tendenzen kontrolliert. Das ist jedoch eher eine Behördenabfrage, so Gerwald Herter. Das polizeiliche Führungszeugnis wird zum Beispiel geprüft. Auch Parteizugehörigkeiten. Aber wichtig wäre es, vor allem die jungen Soldaten in Sachen politischer Bildung zu schulen, sagt Gerwald Herter. "Dass man zum Beispiel Konzentrationslager besucht und klar macht: Das wollen wir nie wieder haben."

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