Jedes Jahr sterben in Deutschland Rehkitze während der Mähsaison. Im hohen Gras sind sie praktisch unsichtbar. Deshalb machen sich Ehrenamtliche auf die Suche nach den Tieren - mit Drohne und Wärmebildkamera.

Marie und Steffen sind Teil einer fünfköpfigen Gruppe, die in Lemgo jeden Morgen mit einer Drohne das Feld nach Rehkitzen absucht, bevor der Bauer beginnt, sein Feld zu mähen. Denn im hohen Gras bleiben die Tiere meist unentdeckt.

Ein Rehkitz im hohen Gras eingerollt
© picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Patrick Pleul
Ein Rehkitz versteckt sich im hohen Gras

Das ist grundsätzlich auch die Absicht der Mutter, denn so ist der Nachwuchs vor Fressfeinden wie Füchsen geschützt. Klein, eingerollt und geruchlos kann sie niemand sehen – aber eben auch nicht der Bauer, wenn er sein Feld mäht.

"Diese Kitze sind so versteckt, dass man sie wirklich nicht sehen kann. Die sind ganz klein und eingerollt und haben auch keinen Geruch."
Marie, ehrenamtliche Kitz-Retterin in Lemgo

So sterben jedes Jahr Rehkitze auf den Feldern in Deutschland. Deshalb gibt es an vielen Orten in Deutschland Vereine oder ehrenamtliche Gruppen, die sich zusammenschließen, um die Tiere vorher schon zu finden.

Ausschau halten per Wärmebildkamera

Mit der Drohne steigt eine kleine Wärmebildkamera in die Luft, die die Tiere aufspüren soll. Drohnenpilot Steffen hat dafür die Feldkoordinaten vorher in seinem Computer eingegeben und lässt die Drohne jetzt per Autopilot über das Gelände fliegen. Es ist wichtig, dass die Gruppe so früh wie möglich mit der Suche startet, denn je später es wird, desto wärmer wird es. Dann kann die Kamera die Tiere nur noch schwer entdecken.

Oft sind die roten oder orangefarbenen Flecken auf der Kamera auch einfach ein frischer Maulwurfshügel, ein Hase oder eine Ente.

Gesucht, gefunden

Wenn ein Rehkitz entdeckt wird, macht sich die Gruppe auf den Weg zur Stelle im hohen Gras. "Ganz ehrlich: Ohne die Drohne hätten wir es selbst aus einem Meter Entfernung niemals gesehen", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Gregor Lischka.

Einer der Helfer füllt seine Handflächen mit Grasbüscheln. Wenn er das Tier gleich in die Box befördert, soll das Gras verhindern, dass das Kitz seinen Geruch annimmt. Ein paar Meter weiter findet die Gruppe noch ein weiteres Kitz – vermutlich ein Geschwisterchen.

Ehrenamtliche packen Rehkitze in eine Kiste
© Gregor Lischka
In einer Kiste werden die Kitze an den Rand des Feldes gebracht

Die Kitze werden am Feldrand wieder in Freiheit gelassen. Dort findet die Mutter sie in der Regel wieder.