Viele Menschen in Deutschland haben Schlafprobleme. Seit einiger Zeit häufen sich dagegen rezeptfreie Medikamente in den Regalen. Warum es nicht gut ist, die zu nehmen – und wie wir besser schlafen können.

Laut dem Journal of Health Monitoring des Robert-Koch-Instituts (RKI) haben viele Menschen in Deutschland Einschlafprobleme. Gründe dafür können demnach soziale, gesundheitliche und umweltbedingte Faktoren sein.

19,6 Prozent der Befragten zwischen 18- bis 31 klagten über Ein- und Durchschlafschwierigkeiten. In Drogerie- und Supermarktregalen lassen sich immer häufiger Baldrian- oder Melatonin-Präparate finden, die beim Schlafen helfen sollen.

Baldrian kann beim Einschlafen helfen

Die Stiftung Warentest hat untersucht, welche rezeptfreien Schlafmittel wirken. Eine klare Empfehlung gibt es nicht. Doch einige Baldrian-Präparate könnten uns demnach das Einschlafen erleichtern. Allerdings braucht es dafür bestimmte Baldrian-Trockenextrakte in einer hohen Dosierung.

Das gute an Baldrian: Die in der Natur vorkommende Arzneipflanze hat kaum Nebenwirkungen und macht nicht abhängig. Allerdings braucht es eventuell Tage oder Wochen, bis sie einen beruhigenden Effekt auf uns hat.

"Wenn es dunkel ist, ist zusätzlich von außen zugeführtes Melatonin eigentlich wirkungslos."
Christine Blume, Schlafforscherin

Von der Melatonin-Einnahme – egal, in welcher Form – rät die Stiftung Warentest hingegen von ab. In dieselbe Richtung argumentiert auch Schlafforscherin Christine Blume. Denn: Das Hormon produziert unser Körper ohnehin, wenn es dunkel ist.

Melatonin nur in bestimmten Situationen einnehmen

Dass Melatonin-Einschlafhilfen dennoch weit verbreitet sind, könnte daran liegen, dass es häufig als Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt kommt, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Nik Potthoff. "Herstellende müssen für Nahrungsergänzungsmittel vor der Zulassung keine Wirksamkeit oder mögliche Nebenwirkungen angeben", sagt er.

Nebenwirkungen kann es aber durchaus geben, wenn wir zu viel Melatonin einnehmen. Die können zum Beispiel Magenbeschwerden oder Symptome wie Nervosität oder Rastlosigkeit sein, erklärt der Deutschlandfunk-Nova-Reporter.

Dennoch kann es sinnvoll sein, dem Körper in bestimmten Situationen mit Melatonin beim Einschlafen zu helfen. Beispielsweise, wenn wir nach einer Reise durch den Jetlag keine Ruhe finden. In diesem Fall müsst ihr den Wirkstoff es zwei Stunden vor dem Einschlafen nehmen, sagt Nik Potthoff. Auch wenn Melatonin in geringer Dosis nicht schädlich sei, sollte es ohne ärztliche Absprache nicht langfristig eingenommen werden.

Einschlafhilfen nur kurz anwenden

Ansonsten empfiehlt die Stiftung Warentest andere rezeptfreie Schlafmittel, die beispielsweise mit Antihistaminika wirken. Diese werden nicht mehr in der Therapie gegen Allergien eingesetzt – weil sie zu müde machen.

Generell sollten solche Einschlafhilfen immer nur kurzfristig eingesetzt werden – maximal zwei Wochen am Stück. "Damit sich kein Gewöhnungseffekt einstellt oder Nebenwirkungen auftreten", sagt Nik Potthoff. Als Alternativen empfiehlt die Stiftung-Warentest-Redaktion, ein Schlaftagebuch zu führen. Dort schreiben wir rein, wann wir ins Bett gegangen sind und was wir zuvor gemacht haben.

Neben Arzneimitteln gibt es noch andere Möglichkeiten, um besser zu schlafen – wie etwa Entspannungs- und Meditationsübungen, sagt Schlafforscherin Christine Blume.

"Man kann sich mit Schlafhygieneregeln beschäftigen. Im Netz findet man schnell Ideen. Zum Beispiel können Entspannungs- und Meditationsübungen helfen."
Christine Blume, Schlafforscherin

Wenn es nicht besser wird, gibt es auch Schlaftherapieprogramme, erklärt Schlafforscherin Christine Blume. In diesem Fall sollten wir aber immer erst mal einen Arzt oder eine Ärztin fragen.

  • Moderation:  Diane Hielscher
  • Gesprächspartner:  Nik Potthoff, Deutschlandfunk Nova