Im Flüchtlingslager Kutupalong leben über 900.000 Rohingya, die aus Myanmar fliehen mussten. Sie sind medizinisch versorgt und haben Essen. Aber keine Aussicht darauf, dass sie in ihre Heimat zurückkehren können.

Im Jahr 2017 flohen mehr als 600.000 Rohingya vor Verfolgung und Gewalt aus Myanmar nach Bangladesch. Sie und viele andere Flüchtlinge leben seitdem im Flüchtlingslager Kutupalong, Bangladesch, das mit über 900.000 Menschen als größtes Flüchtlingslager der Welt gilt.

Dieser Begriff täuscht aber vielleicht. Denn dieses Lager ist nicht dazu da, Flüchtlingen für ein paar wenige Jahre temporär Schutz zu bieten, sodass sie irgendwann in ihre Heimat zurückkehren können. Die Rohingya in Kutupalong müssen davon ausgehen, dass sie viele Jahre dort leben werden. Kinder, die dort geboren werden, werden voraussichtlich ihre Kindheit und Jugend dort verbringen.

"Das Lager ist sauber, es gibt eine medizinische Versorgung. Auf den kommenden Monsun ist es aber nicht vorbereitet."
Katharina Hamberger, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Das eigentliche Problem ist nach wie vor ungelöst: Die Rohingya sind in Myanmar nicht gewollt. Und in Bangladesch auch nicht. Sie sind Volk, das niemand will. Und sie haben keine Staatsangehörigkeit.

Unsere Reporterin Katharina Hamberger war kürzlich vor Ort und konnte sich das Lager anschauen. Nach ihrem Eindruck gibt es Dinge, die gut und die schlecht laufen. Positiv ist: Das Lager ist sauber, der Müll wird entfernt. Und dank vieler Hilfsorganisationen gibt es eine medizinische Versorgung, Hygiene- und Erste-Hilfe-Kurse.

Sorgen bereitet den Flüchtlingen und Helfern vor Ort der bevorstehende Monsun. Auf heftigen Regen ist das Lager nicht vorbereitet. Die Hütten sind einfach gebaut, oft nur mit einer Plastikfolie als Dach. Und mehr erlaubt Bangladesch auch nicht.

Den Rohingya ist es untersagt:

  • Feste Hütten/Häuser zu bauen
  • Zu arbeiten
  • Die Landessprache von Bangladesch zu lernen
  • Das Lager ohne Genehmigung zu verlassen

Bangladesch will so sicherstellen, dass die Rohingya keine Beziehung zum Land aufbauen. Sie sollen irgendwann nach Myanmar zurückkehren.

Auf 250.000 Einheimische kommen 1.000.000 Flüchtlinge

Es gibt zudem die Vereinbarung, dass 30 Prozent aller Hilfsgelder an die Einheimischen gehen. Diese können mit Flüchtlingen zudem Handel betreiben. In gewisser Weise profitieren sie von den Flüchtlingen also.

Bangladesch ist ein relativ armes Land. Und auf 250.000 Bangaler in der Region kommen fast eine Millionen Flüchtlinge. Das sind keine einfachen Bedingungen, damit es nicht zu sozialen Unruhen kommt. Auch der Verkehr hat aufgrund des Flüchtlingscamps stark zugenommen.