Jedes Jahr veröffentlicht der WWF die Rote Liste. Darauf stehen vom Aussterben bedrohte Tierarten. Es sind allerdings nicht nur die Tiere bedroht, sondern auch die Ökosysteme, in denen sie leben.

Würde der afrikanische Elefant aussterben, erklärt Biologe Mario Ludwig, dann hätte das weitreichende Folgen. Denn einige Baumarten keimen zum Beispiel nur dann, wenn ihre Samen vorher von Elefanten gefressen werden. Sterben die Elefanten aus, sterben auch die Bäume - und mit ihnen viele andere Tiere, die von diesen Bäumen abhängig sind, wie Vögel, Insekten und kleine Säugetiere.

"Stirbt ein einziges Tier, könnten gleichzeitig auch viele andere Tier- und Pflanzenarten aussterben. Und das wiederum kann gleich ein ganzes Ökosystem vernichten."
Mario Ludwig, Biologe

Ob ein nur in Fachkreisen bekannter Käfer ausstirbt oder eine bekannte und beliebte Art, wie zum Beispiel der Panda, macht für den Biologen Mario Ludwig auf moralischer Ebene keinen Unterschied. Denn alle Tiere hätten das gleiche Recht zu leben - auch die ohne Kuschelfaktor.

Aber es gibt Arten, von denen Ökosysteme abhängiger sind als andere - und von denen auch unser Überleben als Menschen abhängt. Bienen zum Beispiel. Würden die Aussterben, hätte das für alle Lebewesen gravierende Folgen.

Der Mensch erhöht die Aussterberate

Dass Arten aussterben und neue entstehen, ist Teil der Evolution. Vom Menschen neu entdeckte Arten sind allerdings nicht zwingend auch neu entstandene Arten. Viele davon waren bereits da und dem Menschen bislang einfach nur nicht bekannt. Das Problem ist, dass der Mensch die natürliche Aussterberate massiv erhöht.

"Sehr viele Arten werden sterben, bevor wir Menschen sie überhaupt kennengelernt haben."
Mario Ludwig, Biologe

Wie hoch die natürliche Aussterberate genau ist, lässt sich nicht sicher ermitteln. Nach Hochrechnungen des US-amerikanischen Paläontologen Jack Sepkoski liegt sie bei drei Arten pro Jahr. Der Mensch erhöht - nach Berechnungen von Wissenschaftlern - diese Rate um das 1.000 bis 10.000-fache. Sie gehen davon aus, dass allein in den nächsten 25 Jahren rund 1,5 Millionen Tier- und Pflanzenarten aussterben werden.

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