Rotwein färbt die Zähne blau - und schützt sie sogar. Spanische Wissenschaftler schreiben jetzt, dass im Wein enthaltene Stoffe gut für Zähne und Zahnfleisch sind. Aber im Wein ist auch Alkohol. Johannes Döbbelt hat sich durch Studien gewühlt und mit Experten geklärt, wie gesund oder ungesund Wein denn jetzt nun wirklich ist.

Jeden Tag ein bis zwei Gläschen Wein? Es heißt, das soll gut für die Gesundheit sein. Ein anderes Image als Schnaps oder Bier hat er außerdem auch. Der Weintrinker gilt als Genießer und Kenner, er weiß wie man sich kultiviert und mit Stil einen hinter die Binde kippt. Und tatsächlich, es gibt verschiedene Studien, die dem Wein eine positive Wirkung nachsagen: er sei gut für die Zähne, beuge Herzinfarkten und sogar Alzheimer vor.

"Den Begriff 'es kann gesund sein' würde ich in der Form gerne gar nicht verwenden."
Steven Dooley, Professor für molekulare Hepatologie an der Uni-Klinik Mannheim

Steven Dooley ist Professor für molekulare Hepatologie an der Uniklinik Mannheim und erforscht die Wirkung von Alkohol auf die Leber. Er sagt allerdings, dass er das Adjektiv "gesund" nicht so gerne für Rotwein verwendet.

Dass Rotwein trotzdem schon länger als gesund gehandelt wird, hat unter anderem mit dem Stoff Resveratrol zu tun. Der wirkt entzündungshemmend, soll die Wucherung von Krebszellen eindämmen - und einer kanadischen Studie zufolge hilft Rotwein dank Resveratrol sogar beim Abnehmen. Das Problem ist nur: Im Wein ist viel zu wenig von diesem Stoff drin. 

"Wenn sie die Mengen an Resveratrol zu sich nehmen möchten, die einen positiven Aspekt haben, dann müssen sie so viel Wein trinken, dass sie quasi auf der anderen Seite dem Körper massiv Alkohol zuführen, was dann viel schädlicher ist."
Steven Dooley, Professor für molekulare Hepatologie an der Uni-Klinik Mannheim

Wir müssten ziemlich viel trinken: Etwa zehn bis zwölf Flaschen Wein enthalten die wirksame Dosis Resveratrol. Und vor allem gibt es Alternativen: Auch in Traubensaft oder grünem Tee steckt dieser Stoff.

Für einige Menschen kann es trotzdem sinnvoll sein, regelmäßig Rotwein oder anderen Alkohol zu trinken, sagt Helmut Seitz, Leiter des Alkoholforschungszentrums der Uni Heidelberg.

"Ältere Leute, sagen wir so über 60, die bereits einen Herzinfarkt gehabt haben, oder die mehr als einen Risikofaktor für eine koronale Herzerkrankung haben, profitieren von Alkohol."
Helmut Seitz, Leiter des Alkoholforschungszentrums der Uni Heidelberg

Alkohol erhöht die Konzentration des sogenannten HDL-Cholesterins im Blut. Und das gilt als "gutes" Cholesterin, das bei älteren Menschen das Risiko verringert, einen Herzinfarkt zu bekommen. Außerdem, so Seitz, hätten Ältere ein geringeres Risiko, abhängig zu werden als jüngere Menschen.

Alkohol erhöht das Krebsrisiko

Für jüngere Menschen gibt es keinen nachgewiesenen positiven Effekt fürs Herz. Und wenn Leute zwischen 30 und 35 Jahren jeden Tag Alkohol trinken, dann werden sie in einem von zehn Fällen zum Alkoholiker. Außerdem gilt generell: Alkohol erhöht das Krebsrisiko. Und zwar nicht nur in der Leber. Auch die Gefahr für Darm- und Speiseröhrenkrebs steigt. Bei Frauen steigt vor allem das Brustkrebsrisiko, wenn sie Alkohol trinken.

Die Frage, ob Wein gut oder schlecht für die Gesundheit ist, lässt sich nicht so einfach beantworten. Denn immerhin sind da auch noch die Franzosen. Die trinken doppelt so viel Wein wie die Deutschen und französische Männer leiden seltener an Herzerkrankungen als andere Europäer. Es könnte am Wein liegen, aber vielleicht auch ganz anderen Faktoren. Die Franzosen erkranken aber auch häufiger an Leberzirrhosen und Speiseröhrenkrebs - beides Ursachen von übermäßigem Alkoholkonsum. 

Einer dänischen Studie zufolge leben Menschen, die regelmäßig Wein trinken, länger als die, die keinen Wein trinken. Das heißt aber nicht, dass das unbedingt am Wein liegt, sagt Helmut Seitz. Möglicherweise sind Personen, die gerne Alkohol trinken entspannter als andere. Oder es liegt daran, dass die Menschen gleichzeitig gut essen - die sogenannte mediterrane Diät. Vielleicht profitiert die Gesundheit auch davon, dass Menschen, die Wein in Gesellschaft trinken, viele soziale Kontakte haben und zufrieden sind. Die Wissenschaftler wissen es bisher noch nicht.

"Ich hab überhaupt keine missionarische Funktion, ich trinke Alkohol selber sehr gern."
Helmut Seitz, Leiter des Alkoholforschungszentrums der Uni Heidelberg

Die Wissenschaftler raten jedenfalls nicht generell vom Wein ab. Aber wir sollten wissen, welche Dosis in Ordnung ist. Für gesunde Männer gilt: Ein viertel Liter Wein oder einen halben Liter Bier pro Tag, maximal. Frauen sollten höchstens die Hälfte davon trinken.

"Wenn Alkohol getrunken wird, dann sollten sie mindestens an zwei Tagen der Woche eine Pause machen, einfach um zu sehen, wie sie damit umgehen können."
Helmut Seitz, Leiter des Alkoholforschungszentrums der Uni Heidelberg

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