Von wegen Nachtruhe: Krach kann gesundheitsgefährdend sein – zum Beispiel andauernder Fluglärm. Er erhöht beispielsweise das Depressionsrisiko.

Zu Beginn des neuen Jahres stehen Geräuschemissionen auf der bundespolitischen Agenda - das Kabinett plant eine Verschärfung der Fluglärmgrenzwerte vom Jahr 2012. Außerdem soll es für Kitas, Grundschulen und Krankenhäuser leichter werden, die Kosten für Schallschutzmaßnahmen erstattet zu bekommen.

Unser Reporter Stephan Beuting hat mit Rainer Guski gesprochen. Er ist Lärmforscher an der Ruhr-Universität Bochum. Objektiv betrachtet habe der Lärmpegel in der Nähe von Flughäfen tendenziell abgenommen, sagt er. Die Anwohner nähmen aber dennoch eine stärkere Belastung war. Das liege daran, dass es vielerorts kaum noch Pausen gebe.

"Wir haben eine Senkung des Dauerschallpegels in der Gegend rings um Flughäfen. Die Betroffenen sagen dennoch, es sei lauter geworden."

Was tagsüber vielleicht nur unangenehm ist, ist zur Schlafenszeit ein Ärgernis und auch ein Gesundheitsrisiko. Darauf weist die Schlafforscherin Christine Blume von der Universität Basel hin.

"Lärm beeinträchtigt unseren Schlaf. Er macht ihn schlechter, schon bei normaler Gesprächslautstärke. Schlaf in einer lauten Umgebung ist weniger erholsam, als in einer ruhigen."

Der Zusammenhang zwischen Lärm und schlechtem Schlaf ist  wissenschaftlich nachgewiesen. Die Schlafforscherin schaut sich beispielsweise Gehirnströme an und erstellt ein sogenanntes Elektroenzephalogramm. Damit kann sie beurteilen, wie tief jemand schläft. Im Verlauf der Nacht lassen sich die Anteile an Leichtschlaf, an Tiefschlaf, an Traumschlaf dokumentieren. Geräusche stören den Schlaf. Sie reduzieren den Anteil an Tiefschlaf und erhöhen den Anteil der Wachzeiten.

Fluglärm mit Folgen für die Psyche

In einer Studie mit dem Titel Noise-related annoyance, cognition, and health, abgekürzt Norah, haben Rainer Guski und sein Team im Jahr 2015 Zusammenhänge zwischen Lärm, psychischen und organischen Erkrankungen genauer untersucht.

"Beim Fluglärm ist das Depressionsrisiko schon bei niedrigen Lärmpegeln sehr deutlich erhöht."

Steigt die Belastung durch Fluglärm um zehn Dezibel, steigt demnach auch das Risiko depressiver Episoden um mehr als acht Prozent. Neuere Forschungen zeigen, wie sensibel Ohr und Gehirn im Schlaf sein können. 

Dem Lärm und seinen gesundheitlichen Risiken können Betroffene mit Dämmungsmaßnahmen begegnen. Als letztes Mittel bleibt der Umzug in eine ruhigere Gegend. Eine weniger aufwendige Option: Während des Schlafs lassen sich Umgebungsgeräusche auch mit Rauschgeneratoren überdecken.

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