Wozu Pflanzensamen kaufen, wenn man sie sich in einer Bücherei auch ausleihen kann? Man spart Geld und trägt zum Erhalt von alten und unbehandelten Pflanzenarten bei.

Das Konzept von Saatgut-Büchereien beruht auf dem Wunsch, alte und unbehandelte Pflanzen, Kräuter, Obst- und Gemüsesorten zu behalten und weiterzugeben. Die Idee stammt ursprünglich aus Nordamerika ist und dort als seed library bekannt.

Das Prinzip ist ganz einfach: Wenn ihr eine Saatgut-Bibliothek bei euch in der Nähe entdeckt habt, könnt ihr einfach dorthin hingehen – in der Regel benötigt ihr keinen Ausleihausweis.

Ausleihe unkompliziert

Die Kiste mit den Pflanzensamen steht meist in der Nähe der Pflanzenbücher. Mancherorts könnt ihr aus zwei Sorten auswählen, anderenorts aus bis zu 40. Fairerweise nehmt ihr nur eine Samensorte mit, empfiehlt unser Reporter Henri Sarafov, maximal zwei, wenn viel zur Auswahl steht.

Zu Hause angekommen pflanzt ihr die Saat ein. Sobald die Blume oder das Gemüse, das daraus entsteht, weit genug gewachsen sind, dass sie eine eigene Saat entwickelt haben, packt ihr einen Teil davon in Tütchen und gebt diesen dann in der Bibliothek ab.

"Patentiertes Saatgut hat bei uns nichts zu suchen."
Kirsten Spiering-Horn, Leiterin der Bücherhalle Neugraben in Hamburg

Trockenes und samenfestes Saatgut

Wer eigenes Saatgut bei der Bücherei abgeben möchte, sollte auf zwei Dinge achten:

  1. Das Saatgut muss trocken abgegeben werden, ansonsten kann es schimmeln. Bei Tomaten beispielsweise muss man also das Fruchtfleisch von den Kernen abwaschen und sie dann auf einem Küchentuch trocknen.
  2. Wer möchte kann auch ganz neue Samen von eigenen Pflanzen mitbringen. Dabei muss es sich allerdings um samenfestes Saatgut handeln.

Samenfest bedeutet, dass die Pflanzensamen geerntet werden können und bei der nächsten Aussaat in der Regel den gleichen Ertrag erzielen.

"In der Regel ist eben selbstgewonnenes Saatgut komplett unkompliziert."
Kirsten Spiering-Horn, Leiterin der Bücherhalle Neugraben in Hamburg

Eine große Ausnahme sind Kürbisgewächse wie Gurken, Zucchini, Melonen und Speisekürbisse. Bei diesen Pflanzen kann man das Saatgut nicht wiederverwenden, weil Bitterstoffe in den Pflanzen entstehen. Und diese Bitterstoffe sind nicht ganz ungefährlich, da sie Durchfall, Herzrasen, Kopfschmerzen oder ähnliches auslösen können, sagt Kirsten Spiering-Horn von der Bücherhalle Neugraben in Hamburg.

Saatgut-Bibliotheken eher in kleineren Städten zu finden

Die Saatgut-Bibliotheken seien im Kommen, sagt unser Reporter Henri Sarafov. Bisher sind sie hauptsächlich in kleineren Städten zu finden. Aber auch in Dresden, Düsseldorf und Hamburg gibt es sie bereits.