Seit dem 1. Juli gilt ein neues Register für Samenspender. Demnach müssen die Informationen über die Samenspenden, die mit ärztlicher Hilfe durchgeführt wurden, 110 Jahre gespeichert werden. Das hilft allen, die auf der Suche nach ihrem biologischen Vater sind. 

Maja (deren Namen wir geändert haben) hätte sich eine gesetzliche Lösung, wie sie seit dem 1. Juli 2018 in Kraft ist, gewünscht. Alle Kinder, die ab dem 30. Juni mit einer Samenspende gezeugt werden, haben künftig das Recht zu erfahren, wer der biologische Vater ist. Ab dem 16. Lebensjahr darf Auskunft beim Samenspenderegister beantragt werden. Dort sind die Daten der Spender gespeichert. 

Mitteilung über biologischen Vater kann schockieren

Maja hat mit 17 Jahren erst erfahren, dass ihr Vater nicht ihr biologischer Vater ist. Die Eltern hatte die Familie zusammengetrommelt und es Maja und ihrem Bruder gesagt. Auch er war über eine Samenspende zur Welt gekommen. Maja hatte zwar vorher von künstlicher Befruchtung gewusst - und auch bemerkt, dass ihr Bruder anders aussieht, als der Rest der Familie - aber mit dieser Information hatte sie nicht gerechnet. 

"Am nächsten Tag habe ich die ganze Zeit geheult. Wir waren dann unterwegs und ich habe mir die ganzen Männer angeschaut und dann gedacht: Oh Gott, du könntest mein Vater sein."
Maja (Name geändert) über den Moment als sie erfuhr, dass ihr biologischer Vater Samenspender war.

Das war die erste Enttäuschung. Die zweite Enttäuschung erlebte Maja, als sie zu dem Arzt ging, der die künstliche Befruchtung damals bei der Mutter durchgeführt hatte. Der hatte keine Informationen mehr über den Spender - und Maja somit keine Chance, herauszufinden, wer ihr biologischer Vater ist. 

"Er hat mir gesagt, dass er sich eine Zeit lang wie Gott gefühlt hat, weil er so viele Kinder erschaffen hat. Aber irgendwann ist er mit der Verantwortung nicht mehr klar gekommen und hat alle Akten vernichtet."
Maja über ihren Besuch beim Arzt, der die künstliche Befruchtung vorgenommen hat.

Das einzige, was Majas Eltern über den Samenspender wissen, ist, dass er 1,80 Meter groß war, dunkelhaarig und Medizinstudent. Aber das ist wohl eine Information, die sehr häufig herausgegeben wird, "dass es Medizinstudenten" sind. Insofern ist selbst das kein verlässlicher Anhaltspunkt für Maja. 

Samenspender sind jetzt von Unterhaltspflichten freigestellt

Florian (auch seinen Namen haben wir geändert) hat eine andere Perspektive auf das Thema Samenspende. Er ist heute Mitte 30 und hat sieben Jahre lang regelmäßig Samen gespendet - aber mit Einschränkungen. Denn Florian hat seine Samen nicht Homosexuellen Paaren zur Verfügung gestellt, einzig aus dem Grund, weil er verhindern wollte, dass im Nachhinein Unterhaltszahlungen von ihm eingeklagt werden. 

"Deswegen habe ich hier in Deutschland nicht für homosexuelle Paare gespendet. In Ländern wie Spanien ist das anders. Dorthin ist mein Material auch verschickt worden."
Florian (Name geändert), über seine Erfahrungen als Samenspender

Mit dem neuen Gesetz sind Sorge- und Unterhaltspflichten, sowie Erbrecht jetzt anders geregelt - davon sind die Spender frei gestellt. Florian findet das Register gut und freut sich sogar, wenn sich Kinder bei ihm melden.   

"Ich finde es gerade für junge Menschen wichtig, dass sie erfahren, wer ihr genetischer Vater ist."
Florian, Samenspender, über seine Haltung zum neuen Samenspenderegister

Florian kann sich sogar vorstellen, die Kinder später einmal zu treffen. Er hat nicht wegen des Geldes gespendet, sondern, weil er mit seiner Frau keine Kinder mehr bekommen kann, gerne aber noch mehr Kinder zeugen wollte. Er selbst stellt sich darauf, ein, dass in etwa zehn Jahren mal eine Anfrage kommt. Bei schätzungsweise 1200 Kindern, die pro Jahr nach einer Samenspende geboren werden, ist das ja gar nicht so unwahrscheinlich.  

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