Seit dem Sommer steht in Bremen an 17 Grundschulen Schach auf dem Lehrplan. Denn Schach soll Konzentration, Wahrnehmungsvermögen und Sozialkompetenzen verbessern, so eine Studie.

Bisher wurde an Schulen Schach vor allem als AG oder Wahlpflichtfach angeboten. In einem Projekt an 17 Bremer Grundschulen ist Schach seit diesem Sommer aber ein richtiges Unterrichtsfach. Einmal die Woche für eine Stunde.

Das Ziel: Auch Mädchen sollen Schach lernen, denn bislang sind in den AGs vor allem Jungs vertreten. Außerdem sollen Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern, die sonst nicht mit dem Spiel in Berührung kommen, motiviert werden, Schach zu spielen. Ebenso Kinder mit geringen Deutschkenntnissen.

"Beim Schach können Kinder mit geringen Deutschkenntnissen genauso erfolgreich sein wie alle anderen, weil Sprache beim Entwickeln von Strategien eine untergeordnete Rolle spielt."
Sebastian Sonntag über die Motive, Schach an Grundschulen zu lehren

Als Basis für das Projekt in Bremen dient ein Feldversuch, den die Universität Trier bereits 2007 durchgeführt hat. Demnach trägt regelmäßiger Schachunterricht signifikant zu einer Verbesserung des Wahrnehmungsvermögens, der Konzentrationsfähigkeit und von Leistungsmotivation und Sozialkompetenz bei. Sogar der IQ hat sich bei den Schülerinnen und Schülern verbessert.

Mit Schach fürs Leben lernen

Schach vermittelt neben analytischem Denken auch strategische Kompetenzen. Fähigkeiten, die auch bei wichtigen Entscheidungen im Leben hilfreich sind. Den nächsten Zug vorausdenken - oder auch lavieren, also Zeit schinden, wenn der Spieler eine Entscheidung nicht richtig überblicken kann und Zeit braucht, um eine Strategie zu entwickeln. 

Außerdem trainiert Schachspielen, das Gegenüber richtig einzuschätzen. Das kann bei Bewerbungsgesprächen oder Verhandlungen wichtig sein. Ein weiteres Lernziel: erkennen, dass es nicht nur eine Art von Strategie und Mensch gibt, die erfolgreich ist, sondern viele.

Im Prinzip sollten wir also eigentlich alle Schach spielen lernen. Und das geht auch, wenn wir längst aus dem Grundschulalter raus sind, erklärt der Neurologe Magnus Heier: Lernen geht immer.

"Unser Gehirn ist von der Speicherkapazität her quasi unbegrenzt. Das heißt, Sie lernen immer mehr und sie können auch immer mehr abrufen."
Neurologe Magnus Heier über die Lernfähigkeit unseres Gehirns

Das heißt: Das Gehirn ist nicht irgendwann voll, auch wenn sich das manchmal so anfühlt, sondern wir lernen immer mehr. Das gepaart mit Erfahrung und Routine macht uns am Ende leistungsfähig, sagt der Neurologe. Wir profitieren beim Schach also auch von Erfahrungen, die wir bereits im Leben gemacht haben.

Wer jetzt unbedingt anfangen möchte, das Schachspiel zu lernen, wird auf vielen Schachseiten und bei Youtube schnell fündig. Der Chesscoach fängt zum Beispiel ganz am Anfang an. Aber auch Profis bekommen hier neue Anregungen.

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