Wenn wir schlafen möchten, schließen wir die Augen. Schlafforschende halten das Schlafen mit offenen Augen grundsätzlich für möglich, aber nicht über einen längeren Zeitraum. In der Tierwelt sieht das anders aus: Haie, Delfine oder auch Krokodile können schlafen und die Augen geöffnet halten.

Über Haie gibt es einige weitverbreitete Annahmen beziehungsweise Mythen. Eine Annahme ist: Haie schlafen nicht. Das ist falsch. Laut einer neuen Studie von Forschenden aus Australien und Neuseeland können Haie sehr wohl schlafen – manche von ihnen mit offenen Augen wie der Schwellhai. Diese Haiart hat das Team aus Forschenden für ihre Studie untersucht.

Tiere, die mit offenen Augen schlafen

Der Meeresbewohner aus der Familie der Katzenhaie ist mit seiner Art zu schlafen nicht alleine: Auch bei Störchen gehen Forschende davon aus, dass sie mit offenen Augen schlafen. Junge Salzwasserkrokodile und Delfinen lassen während ihrer Schlafenszeit ebenfalls ein Auge geöffnet.

Die Krokodile haben so ihre Fressfeinde im Blick, die Delfine schützen sich wiederum vor dem Ertrinken und erinnern sich, alle fünf Minuten zum Luftholen aufzutauchen. Bei ihnen fährt - während sie schlafen - daher nur eine Gehirnhälfte herunter, die andere bleibt aktiv und wachsam. Bei den Salzwasserkrokodilen ebenso.

Besser schlafen mit Augen zu

Theoretisch könnten auch Menschen mit offenen Augen schlafen – allerdings nur für wenige Sekunden, sagt Schlafforscher Jan Born von der Universität Tübingen. Und das sollte auch eher eine Ausnahme sein als der Regelfall. Warum wir zum Schlafen unsere Augen schließen, ist nicht ganz eindeutig, Schlafforschende haben aber Erklärungsansätze.

"Im Prinzip ist es möglich zu schlafen, ohne die Augen zu schließen, aber wenn; dann nur kurzfristig. Das heißt: Sekundenschlaf."
Jan Born, Schlafforscher Universität Tübingen

Schutz, Dunkelheit, Verarbeitungspause

Zum einen würde die Hornhaut der Augen austrocknen, wenn sie über Nacht offenblieben. Daher haben manche Menschen bei einer Operation mit Narkose auch Pflaster auf ihren Augen kleben. Sie sollen verhindern, dass die Patient*innen während des Eingriffs ihre Augen öffnen und sie beschädigt werden.

Das Schließen der Augen sorgt zudem dafür, dass wir "stärker Dunkelheit verspüren und deswegen leichter einschlafen und besser durchschlafen", erklärt Jan Born. Denn: Die Dunkelheit hilft dem Körper, das Schlafhormon Melatonin zu produzieren. Das Hormon synchronisiert quasi die Hirnareale und stellt sie auf den Schlafmodus ein.

Durch das Schlafen mit geschlossenen Augen bekommt das Gehirn auch eine Pause davon, weiter Sinneseindrücke aufzunehmen. Stattdessen kann es die Eindrücke verarbeiten, die wir über den Tag gesammelt haben. Dafür ist das Schließen der Augen hilfreich, sagt Schlafforscherin Christine Blume von der Universität Basel. Prozesse wie die Gedächtniskonsolidierung, also das Festigen von Gedächtnisspuren, die am Tag gebildet wurden, sollten nicht gestört werden wie durch ein geöffnetes Auge.

"Der Schlaf ist kein Zustand, in dem gar nichts passiert, sondern da passiert enorm viel – auch in unserem Gehirn. Da kann es hilfreich sein, wenn keine Sinneseindrücke über die Augen entstehen."
Christine Blume, Schlafforscherin Universität Basle