Während Rapper Tilidin in ihren Songs feiern, konsumieren Jugendliche zunehmend die Modedroge. Arzt und Schmerztherapeut Tobias Weigl klärt über das Schmerzmittel Tilidin auf.

Vom Gelenk- bis zum Tumorschmerz - Tilidin empfiehlt sich bei starken bis mittelstarken Schmerzen, seien sie chronisch oder akut. Aber wie wird ein solches Schmerzmittel überhaupt zur Modedroge? Der Arzt und Schmerztherapeut Tobias Weigl glaubt, dass es mehrere Ursachen gibt, weshalb Tilidin beim Feiern oder Chillen bei der Jugend so angesagt ist: Tilidin wirkt euphorisierend, enthemmend und lindert Schmerzen.

"Es ist euphorisierend, wirkt enthemmend und die Schmerzlinderung will man vielleicht auch manchmal haben."
Tobias Weigl, Arzt und Schmerztherapeut

Tilidin findet sich in vielen Schubladen, sagt der Arzt. "Viele Patienten bekommen es nach einer Operation bei chronischen Schmerzen." Außerdem wirke Tilidin zunächst im Vergleich zu anderen Drogen nicht ganz so stark. Weil Tilidin aber eher der Ruf des Schmerzmittels anhaftet, neigen die Konsumenten dazu, es zu unterschätzen.

Höchst problematisch wird es zum Beispiel, wenn Tilidin im Partyrausch mit Bier oder Alcopops kombiniert wird. "Alkohol steigert die Wirkung von Tilidin," warnt der Arzt. Gleiches gilt auch für die gleichzeitige Einnahme von Tilidin und Antidepressiva.

Warum Tilidin gefährlich für uns ist

Tobias Weigl erklärt, dass sich der Körper mit der Zeit immer stärker an Tilidin gewöhnt. Um dann überhaupt noch einen spürbaren Effekt erzielen zu können, müssten die Dosis erhöht werden. Die Gefahr der Überdosierung sei dabei hoch.

Eine Tilidin-Abhängigkeit ist nicht gefährlich, die sowohl psychisch als auch körperlich sein kann, sagt der Arzt. Hinzu kommen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schwindel, Benommenheit, Erbrechen und Durchfall. Wer bestimmte Vorerkrankungen hat, muss auf Tilidin ganz verzichten. Das Schmerzmittel kann nämlich die Atemwege blockieren. "Wenn man Asthma hat, hat man da schon ein Problem."

Tilidin-Entzug

Um extreme Entzugssymptome zu vermeiden, sollten Anbhängige Tilidin langsam "ausschleichen", empfiehlt der Schmerztherapeut. "Man sollte das nicht allein machen, sondern mit professioneller Unterstützung." Bei einem Entzug geht es dann vor allem darum, den unbedingten Willen nach dem Stoff in den Griff zu bekommen und Stück für Stück einzudämmen.

Hinweis: Die übersteigerte Einnahme von Tilidin kann ernstzunehmende Folgen auf Körper und Psyche haben. Wer glaubt unter einer Sucht zu leiden, kann sich bei der Suchtprävention Berlin melden.