Die einen ziehen grundsätzlich an der Wohnungstür ihre Schuhe aus, andere latschen den ganzen Tag rein und raus – ohne sich darüber Gedanken zu machen. Unser Reporter wollte wissen, wie schädlich eigentlich der Dreck ist, der unter unseren Sohlen klebt.

In alten Häusern oder Schlössern wird meist nicht diskutiert, da gibt es am Eingang einen Korb mit großen Filzpantoffeln, in die Besuchende dann samt Straßenschuhen schlüpfen. Hier geht es natürlich in erster Linie darum, das uralte Parkett nicht zu beschädigen.

"Was ich an den Schuhen habe, ist wahrscheinlich einfach nur Dreck."
Markus Egert, Professor für Mikrobiologie und Hygiene

Unter unseren Schuhen kleben kleine Steinchen, Staub, Reifenabrieb. "Wir haben da sicherlich schon auch mit einer gewissen Belastung von Bakterien, Viren, Pilzsporen zu tun", sagt Markus Egert, Professor für Mikrobiologie und Hygiene an der Hochschule in Furtwangen. Er hat viel zu Keimen im Haushalt geforscht.

"Haushaltshygiene ist, so eins meiner Steckenpferde."
Markus Egert, Professor für Mikrobiologie und Hygiene

Egert beschäftigt sich mit Mikroben im Kühlschrank, im Spülschwamm, in der Waschmaschine oder auf Brillengläsern. Und es geht immer um die Frage: Was genau finden wir dort? Und wie gefährlich sind die Keime – oder auch nicht?

Zum Dreck, den Keimen und Pilzsporen, die unter unseren Schuhen kleben, sagt der Mikrobiologe: "Grundsätzlich gefährlich sind die allermeisten Keime, die in der Natur vorkommen, nicht. Keime werden dann gefährlich, wenn sie zum Beispiel von anderen Lebewesen stammen.“

"Wenn sie jetzt zum Beispiel Fäkalien an den Schuhen hätten, dann ist das was anderes."
Markus Egert, Professor für Mikrobiologie und Hygiene

Etwas anders sieht es also aus, wenn wir in einen Hundehaufen oder einen Kuhfladen treten, denn in und auf Fäkalien sammeln sich viele Bakterien und andere Lebewesen. Aber auf normalem Boden, einer Wiese oder einer Straße befinden sich nicht viele wirklich viele Krankheitserreger, sagt Egert.

Ausnahmen für kontaminierte Orte

Aufpassen müssten nur Menschen, die unter bestimmten Allergien leiden, die chronisch krank sind oder ein geschwächtes Immunsystem haben. Oder Leute, die sich in 'kontaminiertem Terrain' aufgehalten haben. Wer etwa im Labor arbeitet, wo toxische Stoffe verwendet werden, oder in der Klinik, wo viele Krankenhauskeime herum schwirren oder beim Fleischer in der Schlachtkammer – der oder die ist natürlich in Gefahr, Giftstoffe mit nach Hause zu nehmen oder Krankheitserreger in einer besorgniserregenden Dosis.

Allerdings tragen Menschen, die an solchen Orten arbeiten, in der Regel Arbeitskleidung. Und dazu gehören auch die Schuhe, die nach dem Dienst gewechselt werden.

Normaler Straßendreck, den wir uns beim Einkaufen im Supermarkt einfangen, sei hingegen kein Problem, so der Hygieneexperte: "Zum Vergleich: Wenn Sie also mit Schuhen in die Wohnung kommen, befinden sich auf den Lebensmitteln, die Sie mit nach Hause bringen – auf dem Stück Fleisch, das Sie gekauft haben und auf dem Salat – sicherlich mehr Keime als an den Schuhen. Und die sind auch gefährlicher, weil sie von lebenden Organismen stammen."

"Jemandem, der zum Beispiel krank ist, zu sagen: 'Du kannst mich gern besuchen, die Schuhe ziehst Du aus, aber anhusten darfst du mich trotzdem.' Das macht dann keinen Sinn."
Markus Egert, Professor für Mikrobiologie und Hygiene

Die meisten Infektionen, die wir uns zu Hause zuziehen, kommen über die Lebensmittel, die Küche oder über andere Menschen, erklärt Markus Egert. Es mache demnach keinen Sinn, die Schuhe an der Tür auszuziehen und gleichzeitig neben jemandem mit Husten und Schnupfen auf dem Sofa zu sitzen.

Wenn wir die Schuhe an der Tür ausziehen, um ein Stück Alltag hinter uns zu lassen und uns besser zu entspannen oder weil wir einfach keine Lust auf knirschenden Dreck haben – dann ist das natürlich eine andere Sache.

  • Autor:  Martin Krinner