Kaum jemand kennt Pangoline. Dabei gehören die Schuppentiere nicht nur zu den bizarrsten, sondern auch zu den meistbedrohten Tieren der Welt: Kein Tier wird häufiger illegal gefangen, geschmuggelt und verkauft.

Je nach Art sind Pangoline zwischen 25 und 80 Zentimeter lang. Insgesamt gibt es acht Schuppentierarten: Vier davon kommen in den Regenwäldern und Savannen Afrikas vor, die vier anderen in den entsprechenden Gebieten in Asien.

Pangoline sehen ein bisschen so aus wie riesige Tannenzapfen mit vier Beinen: Hornschuppen bedecken ihren ganzen Körper, deshalb heißen sie auch Schuppentiere. Es sind aber keine Reptilien, sondern Säugetiere, die an Stelle von Haaren Schuppen ausgebildet haben. Diese bestehen aus der gleichen Substanz wie Haare: Keratin.

Pangolin, Schuppentier
© dpa

Der schwere Schuppenpanzer macht bis zu einem Drittel ihres Gewichts aus. Dank des Panzers braucht ein Pangolin große Fressfeinde wie Löwen oder Tiger nicht zu fürchten. Bei Gefahr rollen sich die Tiere einfach zu einer Kugel zusammen. Außerdem können die Tiere, wenn sie angegriffen werden, auch noch ein übel riechendes Sekret aus ihren Analdrüsen abgeben.

Pangoline sind eine der am meisten bedrohten Arten weltweit

Pangoline werden vor allem wegen ihrer Schuppen gejagt. Vor allem in Westafrika, China und Vietnam glauben nämlich viele Menschen, dass diese wundersame Heilkräfte besitzen:

Zu Pulver zerrieben sollen sie Magenschmerzen, Asthma, Rheuma, Entzündungen und sogar Leukämie heilen – außerdem bei Männern die Potenz steigern. "Das ist kompletter Unsinn", sagt Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte Mario Ludwig. Genauso gut könne man auch einen Fingernagel essen, der besteht nämlich wie die Schuppen auch aus Keratin.

Aber auch das Fleisch der Pangoline ist beliebt. In Afrika und in Asien gilt es als Delikatesse. Die größten Absatzmärkte sind China und Vietnam. Dort kostet ein Kilo Pangolinfleisch über 300 Euro. 

"Einen Pangolinbraten auf dem Tisch zu haben, gilt in bestimmten Kreisen der asiatischen Oberschicht als Luxus pur."
Mario Ludwig, Deutschlandfunk Nova

Alle Pangolinarten sind vom Aussterben bedroht und deshalb durch das Washingtoner Artenschutzabkommen streng geschützt. Auch der Handel mit Pangolinen ist streng untersacht. Den Wilderern ist das aber egal, sagt Mario Ludwig.

Ein einziges Kilogramm Schuppen bringe auf dem Schwarzmarkt etwa 1000 Dollar. Und sollte ein Wilderer erwischt werden, droht ihm oft nur eine kleine Geldbuße.

Seit Asien aus diesen Gründen fast leergewildert wurde, werden zur Zeit immer mehr afrikanische Pangoline gejagt. Weil es aber immer weniger Tiere zu jagen gibt, hat sich der Preis für Schuppen in den vergangenen fünf Jahren verzehnfacht.

"Für einen Wilderer entspricht ein einziges gefangenes Tier oft einem Jahreslohn."
Mario Ludwig, Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte

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