Einige Wissenschaftler und Politiker in Spanien haben die Menschen dazu aufgerufen, in Bussen und Bahnen besser zu schweigen. Dadurch könnten deutlich weniger Aerolose ausgestoßen - und damit das Ansteckungsrisiko verringert werden.

Vielleicht geht es euch auch so: In Zeiten von Corona verzichtet man auch mal gern auf öffentliche Verkehrsmittel. Gerade im Berufsverkehr sind Busse und Bahnen voll, viele Menschen sitzen und stehen auf wenig Raum.

Empfehlung: Klappe halten

Wie bei uns gilt auch in Spanien eine Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln. Einige spanische Politiker, unter anderem ein Minister aus Barcelona, empfehlen jetzt, in Bus und Bahn am besten auch gar nicht mehr zu sprechen.

Das ist kein Verbot, sondern eine Empfehlung. Aber die bekommt auch Rückendeckung aus der Wissenschaft: María Cruz Minguillón, eine Forscherin des Obersten Rates für Wissenschaftliche Forschung (CSIC) hat bestätigt, dass Schweigen ideal ist, um das Corona-Risiko so klein wie möglich zu halten.

"Die Begründung liegt auf der Hand: Wer nicht spricht, stößt weniger Aerosole aus."
Matthis Dierkes, Deutschlandfunk Nova

In Bus oder Bahn ist es in der Regel ziemlich laut. Um sich gegen die ganzen Hintergrundgeräusche durchzusetzen, hebt man dementsprechend auch die Stimme. Und dabei ist es egal, ob am Telefon oder im direkten Gespräch mit einer Freundin.

Auf die Lautstärke kommt es an

Und das führt dann eben dazu, dass viel mehr – laut María Cruz Minguillón bis zu 50 Mal mehr – Tröpfchen ausgestoßen werden und diese auch weiter fliegen, als wenn man nur atmet und ansonsten einfach die Klappe hält.

"Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Sprechlautstärke und der Anzahl der Partikel, die dabei aus dem Mund geschleudert werden. Wer schreit, stößt 50 Mal mehr Teilchen aus als Menschen, die schweigen."
María Cruz Minguillón, CSIC

Welche Auswirkungen es hat, wie jemand spricht, hat auch eine Ende September veröffentlichte Studie der Universität Montpellier untersucht. Ergebnis: Die kleinen Tröpfchen schafften locker zwei Meter und verbreiteten sich in einem Winkel von 40 bis 50 Grad vor der Person, die sprach – und zwar vor allem bei längerem Redefluss und bei Worten, die viele harte Konsonanten wie T, K und vor allem P enthalten.

Diese Ergebnisse beziehen sich aber auf eine Situation, in der die Probanden KEINE Maske trugen. In derselben Versuchsanordnung MIT Maske wurde der Luftstrom der Sprechenden stark abgebremst und die Aerosole verbreiteten sich deutlich weniger.

Lüften gegen Aerosole

Es ist bekannt: Vor allem Lüften hilft, um die Aerosole, die wir ausatmen, zu vertreiben. In Deutschland hatte das Bundesumweltamt vor einem Monat empfohlen, in öffentlichen Gebäuden CO2-Messgeräte zu installieren, um das Risiko besser einschätzen zu können.

Bei der Metro in der katalanischen Metropole Barcelona wird laut der Betreiber über die Klimaanlagen alle zweieinhalb Minuten die ganze Luft in einem Wagen ausgetauscht. Problem: Nur die wenigsten U-Bahnen und Busse sind so modern.

Die Empfehlung, die Klappe zu halten, klingt für viele wahrscheinlich etwas übertrieben, sagt Matthis Dierkes. Vielleicht sei es in einer Situation wie der aktuellen aber auch mal in Ordnung, ein bisschen zu übertreiben. Am Ende gehe es darum, dem Virus so wenig Chancen wie möglich zu geben. Wenn möglich Fahrrad statt Bus oder Bahn zu fahren hilft da ebenfalls.