Eigentlich sollte es männlichen Ferkeln ab 2019 besser gehen. Das wird aber nicht passieren. Das Kastrieren ohne Betäubung darf erstmal weitergehen, das hat der Bundestag beschlossen. 

Zurzeit kastrieren Landwirte auf ihrem Hof die männlichen Ferkel selbst. Ohne Betäubung. Ohne Tierarzt. Die Tiere dürfen nicht älter als acht Tage sein.

Diese Praxis sollte ab dem 1. Januar 2019 verboten werden. Denn dann läuft eine Übergangsfrist aus, die bereits seit fünf Jahren gilt. Doch dieses Zeitfenster wurde nicht genutzt, um alternative und praxistaugliche Methoden zur betäubungslosen Kastrierung zu finden. Am 29. November hat der Bundestag beschlossen, die Übergangsfrist um zwei weitere Jahr zu verlängern.

Kastrieren, damit das Fleisch nicht stinkt

Das Kastrieren ohne Betäubung geht also bis mindestens Ende 2020 weiter. Dass die Tiere überhaupt kastriert werden, liegt daran, dass das Fleisch von nicht kastrierten Ebern stinken kann. Dieser Geruch entsteht, wenn das Schweinefleisch erhitzt wird - also zum Beispiel, wenn es in der Pfanne landet. Dass das Fleisch stinkt, trifft aber nur auf ungefähr fünf Prozent der Eber zu.

Alternativen zur Kastration

Es gibt Alternativen zur Kastration ohne Betäubung. Übernehmen beispielsweise Tierärzte die Kastration der männlichen Ferkel, können sie die Tiere voll narkotisieren. 

Das führt aber zu höheren Kosten: Die Verbraucher müssten bereit sein, für mehr Tierschutz zu zahlen. Doch bei dieser Lösung gibt es noch ein anderes Problem: Es gibt nicht genügend Tierärzte, um die Masse an Ferkeln auf diese Weise zu kastrieren - rund 20 Millionen Ferkel werden pro Jahr kastriert.

"Es gibt derzeit nicht genug Tierärzte, die die Kastrationen übernehmen könnten."
​Alexandra Rank, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Auch eine lokale Betäubung vor der Kastration wäre denkbar. In Schweden und Dänemark ist diese Methode zugelassen und von Tierschutzorganisationen akzeptiert. Dort betäuben die Bauern ihre Schweine selbst lokal. In Deutschland ist das verboten. Es muss ein Tierarzt dabei sein und von denen gibt es eben zu wenig.

Mögliche Lösung: das Narkosmittel Isofluran

Eine andere Alternative ist das Narkosemittel Isofluran. Dieses Narkosegas ist seit einigen Tagen in Deutschland auch für Tiere zugelassen, die der Lebensmittelgewinnung dienen. Isofluran ist kurz wirksam, was für die Kastration der männlichen Ferkel ausreicht. Damit ist Isofluran eine Alternative zu Injektionsnarkosen, die für die Tiere einen längeren Nachschlaf bedeuten. Es wäre nicht nötig, dass ein Tierarzt bei der Narkose dabei ist. Derzeit gibt es aber noch nicht genügend Narkosegeräte für das Gas.

Der Aufschub hätte nicht sein müssen

Statt die betäubungslose Kastratation weitere zwei Jahre zu genehmigen, könnte stattdessen das Narkosemittel Isofluran eingesetzt werden. Das Bundeslandwirtschaftsministerium stellt für 2019 sogar zehn Millionen Euro bereit, um die notwendigen Narkosegeräte für das Gas anzuschaffen. Außerdem sollen die Bauern und Beschäftigten in den Mastbetrieben im Umgang mit dem Narkosegas geschult werden. 

Die Frage bleibt, warum in den vergangenen fünf Jahren nicht intensiver nach Alternativen gesucht worden ist. Und: Wie werden die Verbraucher sich verhalten?

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