Mit Schlaf-Apps, Nahrungsergänzungsmitteln oder Fitnesstrackern glauben manche, ihren Schlaf optimieren zu können. Dabei weiß unser Körper ganz genau, wie viel Schlaf er braucht, und fordert ihn auch ein. "Die Natur lässt sich nicht austricksen", sagt der Schlafmediziner Lennart Knaack.

Apps fürs Smartphone, Nahrungsergänzungsmittel, besondere Schlafzimmerbeleuchtung oder Fitnesstracker – das sei alles Unfug, damit könne man den Schlaf nicht optimieren, sagt der Schlafmediziner Lennart Knaack. Denn die Kenntnisse, die über den normalen Schlaf ganz ohne irgendwelche Instrumente vorhanden sind, seien ausreichend, um gut zu schlafen.

Ohne Schlafen geht gar nichts

Der Schlaf erfüllt verschiedene Funktionen. Der Körper regeneriert sich während des Schlafs, sodass die Energiereserven wieder aufgefüllt sind, Zellen erneuert werden und das Immunsystem in Ruhe arbeiten kann. Außerdem ist Schlaf wichtig für die Gedächtnis- und Lernfunktion, für Hormonfreisetzungen und für die Entgiftung des Gehirns.

Zwischen sieben bis neun Stunden Schlaf sind optimal

Wie viel Schlaf wir benötigen, ist individuell verschieden. Verschiedene Studien haben gezeigt - zwischen dem 25. und 65. Lebensjahr sind im Schnitt sieben bis neun Stunden normal. 

Klar, dass es Menschen gibt, die mit einer Stunde mehr oder weniger besser zurechtkommen. Der Schlafmediziner warnt aber vor zu wenig Schlaf: Wenn Menschen über einen längeren Zeitraum immer nur fünf Stunden schlafen und den Schlaf auch nicht per Mittagsschlaf nachholen, entsteht ein kumulativer Schlafmangel mit Folgen für die Gesundheit: 

  • Das Gedächtnis arbeitet nicht mehr so gut.
  • Menschen mit Schlafmangel reagieren häufig gereizt auf ihre Umgebung.
  • Die Unfallgefahr steigt.
  • Menschen mit Herz-Kreislaufproblemen bekommen Probleme mit dem Blutdruck.

Dennoch gibt es Menschen, die behaupten, mit vier Stunden Schlaf auszukommen. Diese Menschen würden am Limit leben, sagt Lennart Knaack, und nicht mehr ihre körpereigenen Signale wahrnehmen.

"Es gibt Menschen, die sich in einen derartigen Stress begeben, dass sie die Müdigkeit nicht mehr wahrnehmen, dass sie verlernt haben, ihre körpereigenen Signale zu erkennen."
Schlafmediziner Lennart Knaack über Menschen, die mit nur vier Stunden Schlaf auskommen

Manager oder Politikerinnen leiden immer wieder unter Schlafmangel, weil sie von Land zu Land jetten oder bis tief in die Nacht Probleme verhandeln. Der Schlafmediziner ist sich sicher, dass Menschen nach ein paar Jahren mit so einem Lebensstil gesundheitliche Probleme bekommen.

"Sie können die Natur nicht betrügen, sie brauchen Schlaf."
Lennart Knaack, Schlafmediziner

Wer seinen Schlaf mit Nahrungsergänzungsmitteln oder einer Veränderung der Schlafumgebung beeinflussen möchte, wird immer wieder an den Punkt kommen, dass er von Natur aus einen bestimmten Schlafbedarf hat, sagt Lennart Knack. Da lässt sich der Körper auch nicht austricksen. Für ein paar Tage könnten wir einen Schlafmangel aufbauen und dann zum Beispiel am Wochenende wieder Schlaf nachholen, ohne dass es gesundheitliche Folgen hat.

"Vorschlafen kann man übrigens nicht."
Lennart Knaack, Schlafmediziner

Wenn wir zu wenig Tief- und Traumschlafzeit haben, werden wir die Folgen spüren, sagt der Schlafmediziner. Ganz anders verhält sich das bei Menschen, die mehr schlafen als üblicherweise nötig. Meist liegt dem eine Krankheit zugrunde - etwa Atemaussetzer oder Bewegungsstörungen, die die Schlafqualität mindern. Dass eine solche Störung vorliegt, kann man daran erkennen, dass nach dem Schlaf keine Erholung eintritt.

"Wenn sie schlafen, dann schlafen sie, dabei ist das Bewusstsein ausgeschaltet."
Lennart Knaack, Schlafmediziner

Dass Apps oder Tracker den Schlaf verbessern können, bezweifelt Lennart Knaack. Denn wenn wir schlafen, ist unser Bewusstsein ausgeschaltet. Dabei ist uns dann auch egal, was Tracker oder Handy machen. 

Abgesehen davon nehmen wir selbst wahr, ob wir genug geschlafen haben, wenn wir uns an unserem Schlafrhythmus orientieren. Ein Messgerät, das misst, ob wir unruhig geschlafen haben, ist überflüssig, weil wir das sowieso selbst spüren.

Mehr übers Schlafen bei Deutschlandfunk Nova: