Ordentlicher sein, mehr geregelt bekommen oder besser für sich einstehen – wahrscheinlich möchte fast jeder von uns irgendetwas an sich verändern. Die App "Peach" verspricht, uns dabei zu unterstützen.

Aufgeschlossener, gewissenhafter oder emotional stabiler sein: Indem wir bestimmte Eigenschaften optimieren, hoffen wir zufriedener zu werden. Gute Vorsätze gibt es viele, aber den meisten von uns fällt es schwer, diese auch in die Tat umzusetzen.

"Ich arbeitete dran, dass ich kompromissloser werde, sprich, ich musste schauen, dass ich weniger 'ja' sage, wenn ich was nicht wirklich möchte."
Sibill, Nutzerin der App "Peach"

Eine Studie der Uni Zürich und ETH Zürich hat gezeigt, dass wir Teile unserer Persönlichkeit tatsächlich in nur kurzer Zeit verändern können. Dabei soll uns die App "Peach" mit Tipps, Übungen und Videos zur Seite stehen.

Auch Versuchsteilnehmerin Sibill nutzt die App, denn ihr war aufgefallen, dass sie nie etwas gesagt hat, wenn sich beim Anstehen in einer Schlange jemand vor sie gedrängelt hat. Sie sei einfach nicht der Typ dafür, sich in solch einer Situation zu beschweren.

"Ich hab pro Woche eine Übung verfolgt, und ich konnte dann über diese Woche auch mehrmals übe."
Sibill, Nutzerin der App "Peach"

Als ihr bewusst wurde, dass sie sich so etwas stumm gefallen lässt, wurde ihr klar, dass sie das selbst gar nicht gut findet. Sie installierte die App, die ihr fortan "Wenn-Dann"-Übungen aufgab. Nach dem Motto: Wenn du etwas Bestimmtes nicht möchtest, dann sage 'nein'.

Die App fokussiert auf die Big Five

So wie Sibill geht es knapp zehn Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an dieser Studie. Sie wollen an ihrer sogenannten 'Verträglichkeit' arbeiten. Einem der fünf großen Persönlichkeitsmerkmale des Big-Five-Modells.

Weitere 30 Prozent der Probanden geben an, 'emotional stabiler' werden zu wollen. Anderen geht es darum, 'gewissenhafter' zu sein, das heißt zum Beispiel, eine Sache anzugehen, statt sie aufzuschieben. Wieder andere möchten 'extrovertierter' werden. Nur ganz wenige Versuchsteilnehmer wünschen sich 'offener für Neues' zu sein.

Die App geht also vom Modell der Big Five aus, das fünf Hauptdimensionen einer Persönlichkeit zugrunde legt:

  1. Aufgeschlossenheit
  2. Gewissenhaftigkeit
  3. Geselligkeit
  4. Verträglichkeit
  5. Emotionale Labilität und Verletzlichkeit

Die Studie ging der Frage nach, wie sehr sich diese Persönlichkeitseigentschaften innerhalb von kurzer Zeit verändern lassen. Um das festzustellen, hat Mathias Allemand, Professor für Psychologie an der Uni Zürich, die App "Peach" mitentwickelt.

"Die App, die verändert dich nicht, sondern du veränderst dich selbst. Du musst an dir arbeiten. Die App gibt dir Hilfestellungen."
Mathias Allemand, Professor für Psychologie an der Uni Zürich

Natürlich liegt es nicht an der App, unsere Persönlichkeit zu verändern, diesen Einsatz müssen wir schon selbst leisten. Und klar ist auch: Bei Depressionen, psychischen Störungen oder Erkrankungen kann uns diese App nicht wirklich helfen, dafür sollten wir einen Therapeuten zurate ziehen.

Sibill ist überzeugt davon, dass sie inzwischen besser für sich einstehen kann. Dieses Feedback bekommt sie auch von Freunden und ihrer Familie.

Stift und Papier reichen aus

Jeden Abend fordert die App dazu auf, fünf bis sechs Zeilen zu schreiben, also eine Art Tagebuch zu führen. Das hilft uns, unsere eigenen Verhaltensmuster zu erkennen, sagt Jule Specht, Professorin für Persönlichkeitspsychologie an der Humboldt-Uni in Berlin.

Sie hält diese Erkenntnisse für einen ganz wichtigen Schritt dabei, das eigene Verhalten gezielt zu verändern. Sie sagt auch, dass wir die App dafür nicht unbedingt brauchen, denn Stift und Papier reichen aus.

Aus einem Introvertierten wird kein Extrovertierter

Auch wenn die App uns helfen kann, Persönlichkeitseigenschaften zu verändern, so macht sie uns mit ihren Übungen und indem sie uns zu Reflexionen anregt nicht zu einer komplett neuen Person, sagt der App-Entwickler Mathias Allemand.

Die Persönlichkeitspsychologin Jule Specht ergänzt, dass man nach drei Monaten nicht wirklich von einer Persönlichkeitsveränderung sprechen kann, da diese nur von kurzfristiger Dauer sein kann. Eine Eigenschaft sollte schon zwei Jahre lang erkennbar sein, damit wir davon ausgehen können, dass sich unser Persönlichkeit langfristig verändert hat.