Viele Frauen gehen aus Angst vor Übergriffen nachts lieber einen Umweg, als auf dem Nachhauseweg eine Abkürzung durch den dunklen Park zu nehmen. Eine Methode, sich effektiv zu verteidigen: den Angreifer angreifen und ihn so verletzen, dass keine Gefahr mehr von ihm ausgeht. Unsere Reporterin hat es ausprobiert.

Viele von uns haben eine Hemmschwelle, wenn wir eine andere Person angreifen sollen. Im Normalfall fällt es uns schwer, jemand anderen zu verletzen. So geht es auch unserer Reporterin Caroline Maria Wölfle, die einen Kurs in Selbstverteidigung mitgemacht hat. Beim Zielpunkttraining vermittelt Trainer Jens Misera den Teilnehmern, dass sie sich nicht nur verteidigen sollen, wenn sie angegriffen werden.

"Ich stampfe mit dem flachen Fuß auf seinen Nacken. Wäre das tödlich? Ja. Das fühlt sich falsch an. Ich will niemanden umbringen."
Caroline Maria Wölfle, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Nur zu reagieren, reicht seiner Meinung nach nicht, um einen Gegner abzuwehren. Jens Misera empfiehlt, den Angreifer selbst anzugreifen, um ihn so früh und schnell wie möglich zu verletzen und auszuschalten, wie er sagt. Unserer Reporterin fällt es erst einmal schwer, sich mit dieser Haltung wohlzufühlen. Im Prinzip möchte sie niemanden verletzen. Ihr Ziel ist es eigentlich, selbst nicht verletzt zu werden.

Wo endet Notwehr?

Tatsächlich ist es wichtig, wenn wir als Angegriffener einen Gegenangriff starten, uns so zu verhalten, dass wir uns selbst nicht strafbar machen. Denn bei Notwehr geht es darum, abzuwägen, wie wir die uns zwar selbst schützen, dabei aber von verschiedenen Methoden, die auswählen, die am mildesten ist, sagt der Strafrechtler Martin Heger. Wer mehr Gewalt anwendet als nötig, um sein eigenes Leben zu schützen, kann vor Gericht ziemlich schlecht dastehen, falls der Angreifer eine Anzeige erstattet.

"Notwehr hört immer auf, wenn es nicht erforderlich ist, so wie ich mich verteidigt habe. Das heißt, wenn ich nicht unter mehreren gleich geeigneten Mitteln das mildeste wähle."
Martin Heger, Strafrechtler

Während des Trainings hatte unsere Reporterin anfangs ein komisches Gefühl, wenn sie sich vorgestellt hat, dass sie lernt, wie sie einen Angreifer so stark verletzen kann, dass keine Gefahr mehr von ihm ausgeht. Andererseits war es aber auch ein gutes Gefühl für sie als zierliche Frau, dass sie sich verteidigen kann, wenn sie in eine lebensgefährliche Situation gerät.

"Wenn du dir Regeln auferlegst, sagst, dies und das darf ich nicht machen, das sind einfach Regeln, die nur für dich gelten und nicht für den anderen."
Jens Misera, Trainer für Selbstverteidigung