Was Mobbing ist, hat Antonia über Jahre erfahren müssen. Die Sozialpsychologin Selma Rudert untersucht Ausgrenzung wissenschaftlich – und erforscht, warum Menschen andere so behandeln.

Mit dem Mobbing und der Angst davor war Antonia schon früh konfrontiert. "An die Grundschule habe ich keine schönen Erinnerungen", sagt sie. Richtig schlimm wurde es dann auf der weiterführenden Schule. "Ab der fünften Klasse ging es weiter, dass da ein Mädchen war, die mich auf dem Kieker hatte", berichtet Antonia.

Geholfen hat ihr eine Therapie, Freundinnen, die zu ihr gestanden haben und, dass sie mit ihren Eltern über die Erlebnisse sprechen konnte. Trotzdem führte das Mobbing schließlich zum Schulabbruch und sie konnte Schulgebäude lange nicht betreten.

"Eine Entschuldigung kam bis heute nie. Das tut bis heute weh."
Antonia, ist in Grund- und weiterführender Schule gemobbt worden

Im Schulalltag hat sie sehr unter den ständigen Gemeinheiten und Erniedrigungen gelitten. Mitschülerinnen haben während Präsentationen ihren Schulranzen ausgeräumt und ihre Sachen herumgeworfen. Der Versuch auf eine Haupttäterin zuzugehen, war nicht erfolgreich. Antonia hat sie zur Geburtstagsfeier eingeladen und das andere Mädchen hat dann alles an dem Fest schlechtgeredet.

Eine Hassgruppe mit ihrem Namen

Sogar eine eigene SchülerVZ-Hass-Gruppe mit Antonias vollem Namen im Titel hat es gegeben. Unter den rund 15 Mitgliedern waren auch Menschen, mit denen Antonia glaubte, befreundet zu sein. Antonia findet, dass ihre Schule nicht gut mit dem Mobbing umgegangen ist. Als das Lehrpersonal informiert wurde, habe es zunächst als Konsequenz einen Ausschluss von der Abschlussfahrt für zwei Haupttäterinnen angekündigt – das war ungefähr in der zehnten Kasse. Dann durften die zwei Mobberinnen doch mit auf die Reise und die Strafe wurde nicht durchgesetzt.

Entschuldigt habe sich die Hauptmobberin bis heute nicht, sagt Antonia. Das Mobbing endete eigentlich erst, als sich in der Oberstufe die Klassenstruktur dann aufgelöst habe. Ihr Abitur hat Antonia dann später nachgeholt. Sie musste nur für die Prüfungen in die Schule. Erst im Studium wurde ihr Selbstwertgefühl wieder gestärkt und sie konnte Vertrauen zu Mitstudierenden aufbauen. So hat sie angefangen, mit ihrem engeren Umfeld relativ offen über ihre Mobbingerfahrung zu sprechen.

"Die, die mich fragen, denen sage ich dann auch meine Vorgeschichte, warum ich quasi jetzt erst studiere."
Antonia, ist in Grund- und weiterführender Schule gemobbt worden
Selma Rudert, Sozialpsychologin, am Campus Landau
© privat
Selma Rudert, Sozialpsychologin, Universität Koblenz-Landau

Soziale Ausgrenzung ist verwandt mit Mobbing. Beides kann zusammen auftreten, muss es aber nicht zwingend, sagt Selma Rudert. Oft reiche schon eine Person, um den Unterschied zu machen, indem sie beispielsweise das Gespräch mit der ausgegrenzten Person suche. Hält die Ausgrenzungserfahrung hingegen länger an, können die psychischen Folgen gravierend sein: Resignation, Depression und Rückzug.

Ausgrenzung ist Aufmerksamkeitsentzug

Selma Rudert lehrt Sozialpsychologie an der Universität Koblenz-Landau und hat im Jahr 2021 noch eine größere Befragungsstudie zum Thema Ausgrenzung durchgeführt.

"Ausgrenzung ist davon gekennzeichnet, dass ich einer Person Aufmerksamkeit entziehe", sagt Selma. Eigentlich könne es in fast allen sozialen Zusammenhängen zu Ausgrenzung kommen. Stress und Konkurrenzsituationen könnten aktive Ausgrenzung befördern.

"Ausgrenzung kann so ziemlich in jedem Kontext vorkommen, in dem Menschen zusammenkommen. Sogar in Partnerschaften."
Selma Rudert, Sozialpsychologin, Universität Koblenz-Landau

Aktive Ausgrenzung hält Selma grundsätzlich für eine nachteilhafte Strategie. Die Betroffenen bekämen kein Feedback und könnten sich – aus Sicht der Ausgrenzenden – entsprechend nicht verbessern. Das könne zu sich selbst verstärkenden Effekten, regelrechten Teufelskreisen, führen.

Selma versucht gerade experimentell konkreter zu erforschen, wann Menschen andere ausgrenzen. Grundsätzlich seien mehr als zwei Drittel der Teilnehmenden dazu bereit. Sie nimmt an, dass ein eher inklusiv strukturiertes Umfeld die Wahrscheinlichkeit für Ausgrenzung mindert.

"An die 70 Prozent der Teilnehmenden sind unter bestimmten Bedingungen bereit, eine andere Person auszugrenzen."
Selma Rudert, Sozialpsychologin, Universität Koblenz-Landau

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