Kaum hat die Bahn mal einen lustigen Werbespot - nimmt sie ihn zurück. Die Geschichte eines Marketing-Gags und eines erfundenen Fruchtbarkeitstags - erzählt von Stephan Beuting.

Eigentlich hat die Deutsche Bahn mit ihrem Sexwerbespot alles erreicht: Aufmerksamkeit. Der Clip zeigt zwei Mannschaften. Eine mit Eizellen - verkleidete Frauen - und eine zweite mit Spermien – verkleidete Männer – und ihre Trainer. Diese feuern ihre Sportler eifrig an, am 8. Januar zusammenzukommen: "Seid ihr Eizellen – oder Memmen?", ruft die Eizellentrainerin. Der Spermiencoach: "Jetzt geht da raus und macht das Ding rein."

Der 8. Januar sei der fruchtbarste Tag des Jahres. Der Clip zeigt zum Schluss ein sich freudig umarmendes Paar auf dem Bahnsteig. Ausgerechnet die Deutsche Bahn hatte die Liebenden zusammengebracht.

Nun hat das Unternehmen das Video allerdings aus dem Netz entfernen lassen, nachdem sich die hämischen Kommentare wegen der Verzögerungen durch Sturmschäden (Burglind) häuften. Die Bahn selbst hat den Clip nicht kommentiert. Hier ist der Spot allerdings noch abrufbar (Stand 4. Januar).

Ein Anruf im Kreißsaal

Jetzt steht nicht nur die Pünktlichkeit der Bahn infrage, sondern auch die Legende vom fruchtbaren 8. Januar. Unseren Tagesreporter Stephan interessiert: Gibt es überhaupt den fruchtbarsten Tag des Jahres? Anruf bei Babett Ramsauer. Sie ist Oberärztin und leitet den Kreißsaal einer Geburtsklinik in Berlin Neukölln. Wenn es so etwas wie den fruchtbarsten Tag geben würde, sie hätte davon gehört.

"Dass es sozusagen einen speziellen Tag oder Tage oder Konstellationen gibt, wo alle Frauen, oder ein Großteil der Frauen fruchtbarer ist, kann man so nicht sagen."
Babett Ramsauer, Oberärztin

Und auch bei den Männern nicht, hat sie Stephan gesagt. Ja, die Spermienqualität nimmt bei sehr häufigem Sex durchschnittlich ab, aber einen Zusammenhang zwischen Qualität und Datum sei nicht bekannt. Wenn ich aber weiß, wann jemand geboren ist, dann kann ich natürlich zurückrechnen.

Auch, wenn der 8. Januar als einzelnes Datum nicht so plausibel erscheint, steckt in der Antwort eine gute Idee. Fruchtbarkeit ist immer auch eine Frage von Möglichkeit und Gelegenheit.

Stromausfall und WM-Fanmeile können helfen

Als spannendes Event hat Babett Ramsauer den klassischen Stromausfall ausgemacht und dann zur Fußballweltmeisterschaft in Berlin die große Fanmeile. Da sind offensichtlich ganz viele Menschen zusammengekommen. Und in der Folge hat Babett Ramsauer tatsächlich zehn Monate später einen Babyboom in Berlin beobachtet.

Eine andere Gelegenheit: Feiertage. Der 8. Januar ist aber in der Regel keiner. Wir müssen jetzt rechnen und brauchen Daten, daher hat Stephan beim statistischen Bundesamt Wiesbaden angerufen.

"Durchschnittlich werden in Deutschland etwa 2000 Kinder pro Tag geboren."

Wenn der 8. Januar der fruchtbarste Tag wäre, dann müssten um den 15. Oktober herum die meisten Kinder geboren werden. Olga Pötzsch hat dazu die Details: Die Geburten verteilen sich nicht gleichmäßig über das Jahr, sodass die meisten Babys im Juli zur Welt kommen. 2015 waren es etwa 2250 pro Tag. Berücksichtigt man aber auch, dass die Monate unterschiedlich lang sind, ist der September der geburtenreichste Monat. Das sei, sagt Olga Pötsch, das Muster, das sich seit den 1980ern herausgebildet habe. Juli und September als überdurchschnittlich geburtenstarke Monate. Besonders fruchtbar wären Oktober und Dezember   - aber keine Rede vom Januar.

Stephan hat bei der Presse und Öffentlichkeitsarbeit der Bahn angerufen. Dort hat man ihm Folgendes verraten: 

  • Der achte Januar sei ermittelt worden durch Stichproben bei Einwohnermeldeämtern. 
  • Den Clip habe man nur dann zeigen wollen, wenn gerade mal alles paletti sei, mit dem Zugverkehr. Das war zwischen dem Ärger mit der Neubaustrecke München Berlin und dem Sturmtief Burglind - vom 2. bis zum 3. Januar.
  • Und: Ich solle das Ganze mit dem Fruchtbarkeitstag nicht so bierernst nehmen.

Stephans Resümee: Am Ende hat Fruchtbarkeit viel mit Stimmung und Gelegenheit zu tun, auch mit Feiertagen. Und vielleicht auch in Zukunft mit der Bahn. Wenn die den Spot noch mal groß rausbringt, den 8. Januar weiter featured, als den Bahn-Fruchtbarkeits-Fortpflanzungstag.

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