Kleine und mittelständische Betriebe werben mit (halb) nackten Frauen fürs Dachdecken, die Rohrreinigung und Tierfutter. Das erregt Aufmerksamkeit, bringt ihnen aber nichts - und ist sexistisch.

Wir haben über lustige und weniger lustige Aufkleber auf Autos gesprochen, woraufhin ihr uns auch Beispiele geschickt habt, die in die sexistische Richtung gehen. Etwa die Schriftzüge auf Autos: "Tussi an Bord", "Tussi-Taxi" oder "Müssen Sie auch gerade an Titten denken?".

Solche Aufkleber finden sich auch im Jahr 2017 noch - was daneben, aber nicht weiter anzuprangern ist, so lange sie auf Fahrzeugen von Privatpersonen pappen. Da kann jeder machen, was er will.

"Wir machen Dein Rohr frei"
Aufschrift auf einem Firmenfahrzeug eines Betriebes, das Rohr- und Kanalreinigung anbietet - zusammen mit einem Foto eines anzüglich als Krankenschwester verkleideten Models

"Anders ist das bei sexistischer Werbung auf zum Beispiel LKW", sagt Nils Pickert, Chefredakteur vom Blog "Pink Stinks". Auch dort ist die Auswahl von Werbung groß, die gar nicht geht:

  • Ein Tierfutterhändler beklebt seinen Lieferwagen mit einer Frau in Dessous und versieht das Ganze mit den Schriftzügen "Frischfleisch gibt's bei uns" sowie: "…für Pussy und Bello".
  • Ein Aufzug-Betrieb versieht die Stoßstange seines Firmenwagens mit den Worten "Ihr Service voraus!". Einen halben Meter höher ist die Heckscheibe mit einem Foto beklebt, das die Gesäße zweier Tanga tragender Frauen zeigt.
  • Ein Fliesenleger beklebt seinen Kastenwagen mit dem Foto einer komplett nackten Frau unter der Dusche - ihre Brüste sind nicht ansatzweise verdeckt.

Nils Pickert sagt: Solche Entgleisungen stammen in der Regel von kleinen und mittelständischen Unternehmen. Sie würden sich oft noch selbst um Werbung und Marketing kümmern und davon ausgehen: Sex sells.

"Das stimmt aber nicht", sagt Pickert. Leicht oder gar nicht bekleidete Frauen erzeugen zwar Aufmerksamkeit, allerdings nicht für das eigentliche Produkt. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein potenzieller Kunde also zum Beispiel an "Fliesenleger" und den eigentlich Firmennamen erinnert, sei durch eine solche Werbung nicht höher.

Rüge beim Werberat

Die Macher des Blogs "Pink Stinks" melden sexistische Werbung, zum Beispiel auf Autos, dem Werberat (jeder kann eine Beschwerde einreichen). Der spricht in manchen Fällen eine Rüge aus.