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Wie wirksam werden die neuen Corona-Maßnahmen sein? Das lässt sich derzeit nur schätzen. Wir schauen zusammen mit Wissenschaftsjournalistin Julia Fischer, aus welchen Überlegungen heraus die neuen Einschränkungen beschlossen wurden.

Die Verschärfungen der Maßnahmen von Bundesregierung und Ländern am 05.01.2021 kamen auch für Beobachtende relativ überraschend. Im Ergebnis ist keine der bis dahin bestehenden Regeln zurückgenommen worden – der Lockdown wird verlängert. Folgende Punkte sind noch hinzugekommen:

  • Private Treffen sind nur im Kreis der Angehörigen des eigenen Haushalts und mit maximal einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person gestattet.
  • Außerdem gilt: Für Landkreise mit einer 7-Tages-Inzidenz über 200 soll der Bewegungsradius auf 15 Kilometer um den Wohnort eingeschränkt werden, sofern kein triftiger Grund vorliegt. In Sömmerda – unser Bild – war das der Fall (Stand 06.01.2021).

Zwei Beiträge aus Medizin und Wissenschaft hätten während der Beratungen wohl wesentlich zu diesem Ergebnis beigetragen, vermutet die Medizinerin und Journalistin Julia Fischer.

  • Der Vorstandsvorsitzende der Berliner Charité, Heyo Kroemer, habe offenbar sehr eindrücklich berichtet, wie sein Krankenhaus unter der Covid-19-Pandemie leide.
  • Außerdem habe Viola Priesemann, Physikerin vom Max-Planck-Institut, dafür plädiert, die Bewegung der Bevölkerung auf einen Fünf-Kilometer-Radius zu beschränken.

Grundsätzlich sei es schwierig, einzelne Maßnahmen gegeneinander abzuwägen, sagt Julia Fischer. Das liege daran, dass die Maßnahmen häufig parallel beschlossen werden. Sie wirken gleichzeitig und ob eine effektiver wirke als eine andere, sei eben nicht mit abschließender Sicherheit festzustellen.

Modelle der Pandemie

Modellierungsstudien zur Covid-19-Pandemie sollen diese Abwägung erleichtern. Das sind Untersuchungen, die die Wirkung von Infektionsschutzmaßnahmen kalkulierbar machen sollen. Die Pandemie wird in mathematische Modelle gefasst. Aus diesem Bereich gebe es Ergebnisse, die die Wirksamkeit der beschlossenen Radiuseinschränkungen zeigten, sagt Julia Fischer. Hinzu kommt noch, dass Kilometerradien für alle Menschen leicht vorstellbar sind.

"Modellierungsstudien weisen ganz klar darauf hin, dass eine eingeschränkte Mobilität der Bevölkerung auch mit sinkenden Fallzahlen einhergeht."
Julia Fischer, Wissenschaftsjournalistin

Eine Begrenzung der Bewegungsradien sei auch ohne Modellierung eine simple Rechnung, findet Julia Fischer und sagt: "Je weniger Leute unterwegs sind, desto weniger andere treffen sie." Weniger klar ist für sie die Unterscheidung zwischen der erlaubten Arbeit im Großraumbüro, in der Fertigungshalle oder anderenorts und der Schließung von Schulen und Kitas bis Ende Januar.

Reaktion auf eine reale Gefahr

Julia Fischer vermutet, dass hier die Annahme zu Grunde liegt, dass es Erwachsenen einfacher fällt, Hygienekonzepten zu folgen. Hinzu komme wohl, dass bei der Entscheidung auch wirtschaftliche Erwägungen eine Rolle spielen. Allen Unsicherheiten zum Trotz, und auch wenn sie in den Einschränkungen eine gewisse Symbolik erkennt, sieht Julia Fischer in dem beschlossenen erweiterten Lockdown grundsätzlich den richtigen Weg.

"Es geht um eine reale Gefahr. Wir sind wirklich in einer ernsten Situation, in der wir sehen, dass die Fallzahlen nicht runtergehen."
Julia Fischer, Wissenschaftsjournalistin