Die EU-Kommission unternimmt einen neuen Anlauf beim Versuch, ein einheitliches Ladekabel für alle Smartphones durchzusetzen: Eine Studie soll die Hersteller überzeugen, sich endlich auf einen Standard zu einigen. Ob diese etwas bringt, wird bezweifelt. 

Eines für alle – von Apple bis Samsung. Bisher haben die Hersteller die entsprechenden Bemühungen der EU geschickt unterlaufen, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Martina Schulte. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager unternimmt jetzt aber noch mal einen neuen Anlauf. 

14 Hersteller – von Apple über Google bis Motorola und Samsung – hatten sich eigentlich bereits vor knapp zehn Jahren dem Druck der EU gebeugt: Sie hatten damals ein freiwilliges Memorandum unterschrieben, in dem sie sich verpflichteten, die Ladegeräte bis 2011 zu vereinheitlichen. Bis heute – sieben Jahre später – ist das aber ohne messbare Ergebnisse geblieben.

"Wie wir alle gemerkt haben, ist bei der Vereinheitlichung der Handykabel bisher nicht viel passiert."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

Die EU ist mit dem Status quo nicht zufrieden, sagt Margrethe Vestager. Etwa 51.000 Tonnen Ladekabel landen jedes Jahr im Müll, weil sich die Hersteller immer noch nicht auf einen gemeinsamen Standard geeinigt haben. 

Studie soll jetzt Lösungen finden

Deswegen hat die Wettbewerbskommissarin jetzt eine Studie in Auftrag gegeben. Sie soll herausfinden, ob und wie das Problem unterschiedlicher Ladekabel gelöst werden kann. Bisher hat die EU auf eine Art freiwillige Selbstverpflichtung der Industrie gesetzt. Die Hersteller haben ihren Worten von damals allerdings bisher nur wenige Taten folgen lassen. 

Hersteller haben Schlupfloch genutzt

Das Problem: Die Selbstverpflichtung, die damals alle brav unterschrieben haben, enthielt ein dickes Schlupfloch: In der Vereinbarung steht, dass die Hersteller zwingend nur auf einer Seite des Kabels eine einheitliche Verbindung einführen müssen. Das war für die Hersteller natürlich leicht umzusetzen: Mittlerweile haben alle Kabel an der Netzseite einen USB-Anschluss. 

Am anderen Ende herrscht jedoch nach wie vor Stecker-Chaos. Das hat damit zu tun, dass die Firmen damit sehr viel Geld verdienen, sagt Martina Schulte. Dieses schöne Geschäft wollen sich die Hersteller nicht von der EU vermiesen lassen.

"Die Hersteller verdienen sehr viel Geld mit ihren exklusiven Anschlüssen."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Die meisten Hersteller von Android-Geräten setzen zwar inzwischen auf Micro-USB oder USB-C zum Laden ihrer Geräte. Apple hat mit Lightning aber nach wie vor seinen eigenen, mit USB inkompatiblen Standard entwickelt. Dank der Lightning-Anschlüsse kann uns Apple massenhaft teures Zubehör verkaufen, damit wir zum Beispiel unsere Kopfhörer anschließen können. Auch die Zubehörindustrie wird geschröpft, denn deren Kabel müssen alle zertifiziert werden. 

Viele Anschlüsse, viel Zubehör, viel Umsatz

Um das "Made for iPhone"-Label zu erhalten, müssen die Hersteller zum Beispiel einen speziellen Chip verbauen, erklärt das Blog Mobilegeeks. Apple scheffelt hier also fleißig Kohle. Nicht zertifizierte Kabel werden häufig durch Updates ausgesperrt.

9to5mac hat im Mai berichtet, dass Apple bei seiner neuen 2019er Ausgabe des iPhones auf USB-C umswitchen könnte. Auch T3N berichtet darüber. Sollte das stimmen, würde sich das Ende der Lightning-Anschlüsse ankündigen. 

Zweifel an der Wirksamkeit der Studie

Dass die von der EU in Auftrag gegebene Studie die Hersteller jetzt zum Einlenken bringt, wird von vielen Seiten bezweifelt.

Verfechter der Einheitsstecker dürften nach all den Jahren enttäuscht sein, schreibt etwa das Tech-Blog Golem: "Denn ob eine neuerliche Untersuchung durch eine Beratungsfirma letztendlich zu einer gesetzlichen Regelung führt, und wie diese aussehen wird, ist vollkommen offen."

Die Mobilegeeks glauben, dass uns nur ein neuer technischer Standard retten kann – und zwar das drahtlose Laden, genannt Qi. Bei Qi setzen alle Hersteller weitgehend auf den gleichen Standard. Vielleicht ist das eine Lösung für das Problem mit den Ladekabeln, meint Mobilegeeks: Weg mit ihnen!

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