Ein verendeter Blauwal strandet in Kanada und wird zur tickenden Zeitbombe – diese Meldung hält die Boulevardmedien seit Tagen in Atem. Wie gefährlich die Fäulnisgase des Meeressäugers wirklich sind, erklärt der Meeresbiologe Karsten Brensing. Klar ist: Viel spannder sind die Tiere, wenn sie durch die Ozeane schwimmen.


Blauwal bleibt Blauwal. Von wegen. Anfang Mai ist in Kanada ein Blauwal gestrandet - und aus dem Blauwal wurde ein Blähwal. Und das könnte gefährlich werden, denn durch den Verwesungsprozess haben sich Fäulnisgase gebildet und der Wal könnte explodieren.

Auch der Meeresbiologe Karsten Brensing sagt: Diese Ängste sind nicht ganz unbegründet. Es habe schon einige Wale gegeben, die explodiert seien. Der spektakulärste Fall: Ein Pottwal, der in Taiwan mithilfe eines Trucks abtransportiert wurde und mitten in der Stadt explodiert ist.

Die explosive Mischung entsteht dann, wenn ein Wal aus dem kalten Wasser herausgeholt und über Land transportiert wird. Dann könne die Temperatur dafür sorgen, dass relativ schnell sehr viel Gas entsteht, sagt Karsten Brensing. Im Fall des Blauwals in Kanada hält er das allerdings für unwahrscheinlich. Der Grund: Das Tier liege schon seit einigen Tagen am Strand und werde teilweise von Wasser umspült. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Kadaver jetzt noch explodiert, nehme ständig ab. Die Gase im Inneren des Meeressäugers könnten auch über die Körperöffnungen des Tieres entweichen.

"Wir haben es bei Blauwalen wirklich mit besonderen Tieren zu tun."
Karsten Brensing, Meeresbiologe

Die 25 Meter des kanadischen Kadavers sind dabei gar nicht so beeindruckend. Blauwale wachsen auf bis zu 33 Meter Länge an und sind damit nach heutigem Kenntnisstand das größte Tier, das jemals unseren Planeten bewohnt hat. Dazu kommt: Die Tiere können bis zu 90 Jahre alt werden. Außerdem seien die Tiere wahre Kommunikationswunder, erzählt Karsten Brensing. Ein Blauwal kann sich mit Artgenossen über Tausend Kilometer mithilfe seiner Rufe verständigen, wenn ihn keine Schiffe oder sonstigen Lärmquellen in unseren Ozeanen dabei stören.

Klar ist: Ein toter Blauwal ist immer ein trauriges Ereignis. Im Nordatlantik gebe es nur noch wenige Hundert Exemplare, sagt der Meeresbiologe. Das große Problem des Blauwals: Die einzelnen Tiere leben über riesige Entfernungen voneinander entfernt. Die Folge: Es wird für sie immer schwieriger, einen Partner zu finden.