Mancher Sondermüll wird in Kohlekraftwerken verbrannt. Wenn die nach und nach abgeschaltet werden, braucht es Alternativen. Die sind teurer - aber besser für die Umwelt.

Der schrittweise Ausstieg aus dem Kohlestrom ist so gut wie beschlossen. Nach und nach werden demnächst vor allem die älteren Kraftwerke vom Netz genommen. Das hat Vor- und Nachteile. Für den Klimaschutz ist der Kohleausstieg gut. Andererseits dürften manche Arbeitsplätze gefährdet und ganze Regionen wirtschaftlich betroffen sein. Hinzu kommt ein Problem, von dem wohl die wenigsten wissen.

Denn bisher fungieren manche Kohlekraftwerke nicht nur als Stromproduzenten, sondern auch als Müllverbrennungsanlagen. Problematischer und teilweise gefährlicher Müll wird hier legal zusammen mit der Kohle verbrannt, zum Beispiel Altöl, Autoreifen, Klärschlamm aus Klärwerken und Petrolkoks aus Raffinerien.

"Es ist wesentlich billiger für die Abfallerzeuger, das Zeug zum Kraftwerk zu bringen. In vielen Fällen geht das sogar gratis."
Jürgen Döschner, Energieexperte des WDR

Manche Stoffe werden mit jedem abgeschalteten Kohlekraftwerk schwieriger zu entsorgen. So gibt es zum Beispiel so viel Klärschlamm, dass völlig neue Konzepte zur Entsorgung gefragt sind. Früher wurde er auf Feldern verteilt. Allerdings ist er so stark mit Schadstoffen belastet, dass das inzwischen weitgehend verboten wurde.

Nun kann die durch das Abschalten der Kohlekraftwerke verursachte Entsorgungskrise aber auch eine Chance für den Umweltschutz sein. Denn die Alternative zu den Kohlekraftwerken sind reguläre Müll- und Sondermüll-Verbrennungsanlagen. Für diese gelten strengere Emissionsgrenzwerte, und sie verbrennen sauberer als Kohlekraftwerke. Manche Fachleute und Politiker fordern deshalb seit Jahren, die Verbrennung solcher Abfälle in Kraftwerken zu untersagen.

Alternativen müssen her

Wie so häufig stehen einem besseren Umweltschutz finanzielle Interessen entgegen: Die Abfälle in Kraftwerken zu verbrennen ist günstiger als in Müllverbrennungsanlagen - manchmal sogar gratis.

Ob nun dadurch motiviert, dass in Zukunft weniger Müll in Kraftwerken verbrannt werden kann, weil es davon einfach weniger geben wird, oder aus Umweltbewusstsein heraus: Alternative Entsorgungsmöglichkeiten müssen her, denn die bisherigen Kapazitäten für die Entsorgung von Klärschlämmen und Resten aus Raffinerien werden in Zukunft nicht ausreichen.

Der Verband Kommunaler Unternehmen spricht schon von einem "Entsorgungsnotstand" in manchen Regionen. Das nordrhein-westfälische Umweltministerium hat eine Studie zur Entsorgung von Klärschlamm in Auftrag gegeben.

Mehr zum Thema: