Ohne Sonnencreme geht es nicht - die richtige zu finden, ist aber auch recht schwer. Zumindest, wenn wir nicht nur unsere Haut, sondern auch die Umwelt schützen wollen.

Sonnencremes gibt es wie Sand am Meer. Viele davon schützen zuverlässig vor UV-Strahlung. Und gute Produkte, sagt die Stiftung Warentest, müssen nicht teuer sein.

Doch die Tester haben hauptsächlich bewertet, ob die Creme auch hält, was sie verspricht - also ob der Lichtschutzfaktor stimmt, die angegebenen Inhaltsstoffe korrekt sind oder die Creme auch wirklich wasserfest ist, wenn sie das sein sollte.

Eine wirklich empfehlenswerte Sonnencreme erfüllt aber noch weitere Kriterien, meint unsere Reporterin Magdalena Bienert. Sie sollte auch ökologisch vertretbar sein.

"Also Spray ist schon mal gar nicht gut. Du wirst auch keines von einer Naturfirma finden, denn damit der Sonnenschutz so schön leicht rausgesprüht kommt, braucht es viel Chemie."
Magdalena Bienert, Deutschlandfunk Nova

Generell ist eine Creme besser als ein Spray, sagt Magdalena, denn im Spray steckt mehr Chemie. Und chemische UV-Filter können bedenklich sein, weil sie sich zersetzen und möglicherweise zu Hautreizungen oder Allergien führen, so unsere Reporterin: "Außerdem stehen einige auch im Verdacht, hormonell wirksam zu sein oder sie enthalten krebserregende Bestandteile."

Hawaii verbietet zwei Substanzen

Auch für die Umwelt sind chemische UV-Filter nicht gut. Korallen etwa mögen einige der gängigen UV-Filter nicht. Der Stoff Oxybenzon beispielsweise ist für Korallen toxisch. Gelangt die Substanz ins Wasser, fördert sie das Korallensterben. 

Als erster US-Bundesstaat hat darum Hawaii im Mai ein Gesetz verabschiedet, das Octinoxat und Oxybenzon in Sonnencremes verbietet. Das Gesetz tritt 2021 in Kraft.

Mineralische Filter ohne Chemie

Mineralische UV-Filter, wie sie viele Bio-Marken benutzen, sind oft besser verträglich und enthalten keine Chemie. Mineralischer Sonnenschutz wirkt direkt nach dem Auftragen. Zinkoxid oder Titanoxid sorgen dafür, dass die UV-Strahlung reflektiert wird und so unserer Haut nicht schaden kann.

Der Nachteil: Weil die Cremes nicht einziehen, hinterlassen sie einen weißen Film auf der Haut und "man sieht aus wie ein Schneemann am Strand", sagt Magdalena.

"Bei mineralischen Partikeln weiß man, dass sie sich auf die Oberfläche von Lebewesen wie Algen heften können. Die können dann ihre Photosynthese nicht mehr richtig machen und sterben ab."
Jürgen Arning, Umweltbundesamt.

Leider ist auch die mineralische Sonnenschutzvariante nicht ohne Einschränkung empfehlenswert. Denn diese UV-Filter können der Umwelt ebenso schaden - sie legen sich beispielsweise auf kleine Lebewesen und stören deren Photosynthese, sagt Jürgen Arning vom Umweltbundesamt.

Nanopartikel auch in Bio-Produkten

Und noch etwas kommt hinzu: Nanopartikel, also kleinste Teilchen, die in unseren Körper eindringen, können auch in Sonnencremes mit Bio-Label enthalten sein. Wenn eine Creme Nano-Partikel enthält, muss das bei den Inhaltsstoffen angegeben sein. Weil noch nicht ausreichend erforscht ist, wie sich Nanoteilchen auswirken, ist die Technologie nicht unbedenklich, sagt Magdalena.

"Nanopartikel sind kleiner als 100 Nanometer, und es ist noch nicht ausreichend erforscht, wie die sich auf Gesundheit und Umwelt auswirken können."
Magdalena Bienert, Deutschlandfunk Nova

Eine Sonnencreme, die uns und die Umwelt zuverlässig schützt - ohne Nachteile - gibt es noch nicht. Jeder müsse abwägen, was ihm wichtig sei, meint Jürgen Arning vom Umweltbundesamt.

Sonnenschutzkleidung ist da vielleicht eine Alternative. Zwei kalifornische Forscher sagen auch: Ein bisschen Sonne auf der Haut ist wichtig für die Vitamin-D-Produktion. Wir müssen uns also nicht gleich für jeden kleinen Spaziergang in der Sonne von oben bis unten einschmieren.

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