Die  Folha de São Paulo postet nicht mehr auf Facebook. Die größte brasilianische Tageszeitung verzichtet auf sechs Millionen Follower. Für den Chefredakteur ist das auch eine kleine Machtdemonstration.

Die Zeitung begründet den Schritt in einem ausführlichen Statement. Hauptgrund ist die erneute Anpassung der Regeln, nach denen Facebook Inhalte sortiert und priorisiert. Nach Indien und den USA hat Brasilien weltweit die meisten Facebooknutzer. 130 Millionen haben ein Profil und damit ist Brasilien für die Plattform der drittgrößte Markt.

Vom Algorithmus benachteiligt

Wie bereits bei der Anpassung im Jahr 2016, priorisiert das Unternehmen private und persönliche Nutzerinhalte nun noch stärker. Posts von Unternehmen, Organisationen und auch Zeitungen erscheinen damit in den Timelines weiter unten. Und das merken die Unternehmen: Weniger Kommentare, weniger Likes, weniger Leser. Insgesamt hat sich deswegen der Ton zwischen Zeitungsverlagen und Facebook verschärft.

Die brasilianische Zeitung nennt in dem Statement konkrete Zahlen: Im Vergleich zum Vorjahresmonat sei das Gesamtvolumen an Interaktionen im Januar 2018 um 32 Prozent gesunken.

Propaganda und Filterblasen als Ausstiegsgründe

Unsere Reporterin Grit Eggerichs hat sich den Abschied der Zeitung von der Plattform angesehen und mit dem Chefredakteur der Folha de São Paulo gesprochen. 

Sergio Davila sagt, dass er die Inhalte seiner Zeitung deswegen nicht mehr bei Facebook postet, weil auf der Plattform Propagandanachrichten kursierten und Filterblasen entstünden. Das sei das Gegenteil von dem, wofür Journalismus steht. 

"Das war eine politische Entscheidung, es ist einfach an der Zeit, dass die Verleger zeigen, dass sie auch eine Stimme haben und auch ein wenig Macht."
Sérgio Dávila, Chefredakteur der Folha de São Paulo

Sein Wunsch ist, dass sich weitere Zeitungen anschließen, damit die Zeitungsverlage dann als Gruppe Facebook gegenüber auftreten können.

Kein Trend in Deutschland

Grit hat bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Süddeutschen Zeitung nachgefragt. Beide Tageszeitungen wollen sich zunächst anschauen, wie Aufwand und Ertrag im Verhältnis stehen. Auch diese beiden deutschen Verlage haben bemerkt, dass sie weniger Leser von Facebook bekommen, aber sie wollen vorerst nicht aussteigen.

Auch die Folha de São Paulo hat ihr Profil einfach stehen lassen. Die wären jederzeit bereit weiterzumachen, wenn sich die Bedingungen ändern. Bis dahin setzt der Chefredakteur der Folha de São Paulo auf  Email-Newsletter. Leser der Zeitung können weiterhin die Artikel der Zeitung auf Facebook teilen.

"Wenn ein User einen Bericht gelesen oder ein Video gesehen hat, wenn er das selber teilt, hat das eigentlich noch mehr Glaubwürdigkeit, als wenn wir das posten."
Sergio Davila, Chefredakteur der Folha de São Paulo

Mehr zum Thema Facebook bei Deutschlandfunk Nova: