Erfolg, Medaillen und Sponsoren: Davon müssen sich schwangere US-Athletinnen häufig verabschieden. Ihr Protest scheint zumindest bei einem Unternehmen etwas bewirkt zu haben.

Karriere und eigene Kinder lassen sich grundsätzlich nicht leicht vereinbaren, Profi-Sportlerinnen in den USA haben es besonders schwer. Eine Schwangerschaft ist häufig mit massiven finanziellen Risiken verbunden und kann das Ende ihrer Karriere bedeuten. Viele US-Spitzensportlerinnen sind stark von Sponsorengeldern abhängig. Die Hersteller zahlen teilweise nur dann, wenn die Frauen auch tatsächlich an Wettkämpfen teilnehmen und entsprechende Leistungen zeigen.

"In den USA haben Leichtathleten oft tatsächlich nur Sponsorengelder als Einnahmequelle – und Preisgelder, aber sonst eben nix. Deswegen sind sie so auf die Sponsoren angewiesen."
Johannes Döbbelt, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Deutliche Kritik von Athletinnen zog der US-Sportartikelhersteller Nike auf sich, weil er Sponsorengelder bei schwangeren Leichtathletinnen gestrichen oder gekürzt hatte. Mehrere US-Athletinnen, die alle bei Nike unter Vertrag standen und die während ihrer Karriere auch ein Kind bekommen hatten, meldeten sich zu Wort. Eine von ihnen ist die 800 Meter Läuferin Alysia Montaño. Sie hatte im Mai 2019 in ihrem Kommentar und einem Opinion-Video der New-York-Times gesagt, dass Nike ihren Sponsoring-Vertrag während der Schwangerschaft pausieren und die Zahlungen einstellen wollte.

Nike in der Kritik

Bereits im Juni 2014 hat sie noch im achten Schwangerschaftsmonat an einem Wettkampf in Sacramento teilgenommen, auch weil sie auf die Sponsorengelder angewiesen war und auch aus Protest gegen die Kürzungen der Gelder. In Deutschland erhalten professionelle Leichtathleten, Männer wie Frauen, Geld von ihrem jeweiligen Sportverband. Auch Schwangerschaftspausen werden über die Verbände und die jeweiligen Kader geregelt.

Alysia Montaño ist nicht die einzige Sportlerin, die Nike wegen der Sponsoringpraxis während der Schwangerschaft kritisiert. Die Langstreckenläuferin Kara Goucher hat erzählt, dass sie nicht bei ihrem wenige Wochen alten Sohn sein konnte, als er in Krankenhaus musste. Sie war schon wieder im Training, um ähnliche gute Leistungen wie vor der Schwangerschaft zu erzielen – und damit dann eben wieder Geld von Nike zu bekommen.

Drei Profis, ein Problem

Die wohl prominenteste betroffene Athletin ist die Sprinterin Allyson Felix. Sie hat insgesamt neun Olympiamedaillen gewonnen, ist sie die erfolgreichste Leichtathletin bei Olympia überhaupt. Auch ihr hatte Nike die Sponsorengelder gestrichen, als klar war, dass sie schwanger ist.

"Nike will den Sportlerlinnen jetzt garantieren, dass es in einem Zeitraum von anderthalb Jahren keine leistungsbedingten Kürzungen wegen einer Schwangerschaft gibt."
Johannes Döbbelt, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Nike hatte im Mai 2019 festgestellt, dass die Unterstützung für Athletinnen, die zugleich Mütter sind, ausbaufähig sei. Nike will nun sicherstellen, dass es innerhalb von anderthalb Jahren keine leistungsbedingten Kürzungen wegen einer Schwangerschaft gibt. Das soll für alle laufenden und für neue Verträge gelten. Allyson Felix veröffentliche eine entsprechende E-Mail des Herstellers.

Adidas hat auf Nachfrage mitgeteilt, dass die Vertragsbedingungen mit Athletinnen während der gesamten Schwangerschaft einheitlich seien. Ob und wie sich gegebenenfalls eine Schwangerschaft auf bestehende Sponsoringverträge auswirkt, bleibt also unklar. Die Firmen Asics, New Balance und Under Armour – geben an, ihre Zahlungen noch nie wegen Schwangerschaften reduziert zu haben. Andere haben im Zuge der Diskussion um Nike jetzt selbst ihre Sponsoring-Verträge verändert und laut eigener Aussage den Mutterschutz verbessert – die Marken Brooks oder Burton zum Beispiel.