Projekt "Floskelwolke"

Sprache in der Politik: Die "rote Linie" und andere Floskeln

Die Politik ist voller Floskeln. Ständig wird "mit Hochdruck" an etwas gearbeitet, damit jemand "grünes Licht" gibt und etwas "nachgebessert" wird. Sebastian Pertsch hat für diese Begriffe die "Floskelwolke" erfunden. Da kürt er jeden Monat die Floskel des Monats.

"Nicht alle Phrasen und Floskeln sind schlimm, aber viele unnötig oder im besten Fall einfach nur falsch." Das schreibt der Journalist Sebastian Pertsch über sein Projekt "Floskelwolke". Jeden Monat gibt er mit seinem Kollegen Udo Stiehl die Floskel des Monats aus. Bei den Landtagswahlen in Hessen und in Bayern sei vor allem die Formulierung der "roten Linie" sehr häufig genutzt worden, sagt Pertsch.

"Bei den Wahlen kam einiges zum Vorschein. Wir haben herausgefunden, dass die 'rote Linie' besonders aktiv war in dem vergangenen Monat."

Diese Floskel sei in Deutschland relativ neu, komme aber eigentlich aus den USA der 1960er Jahre. Das Verb "to redline" hätten nämlich Versicherungsmakler genutzt, um Bereiche einer Karte mit einer roten Linie abzugrenzen, in denen ein erhöhtes Risiko für Versicherungen und Investitionen bestanden hätte.

Auch in der Kriegsführung sei der Begriff dann genutzt worden, wenn ein Gegner eine Grenze überschritten hat. Heute würde der Ausdruck vor allem genutzt, um einen Tabubruch zu beschreiben. Diese "rote Linie" sei aber gar nicht klar definiert und jeder interpretiere sie anders, sagt der Journalist.

"Die rote Linie ist total undefiniert. Man weiß gar nicht, wo sie ist, und jeder definiert sie woanders. Insofern ist das ein Kuddelmuddel geworden."
Sebastian Pertsch, Journalist und "Floskelwolke"-Erfinder

Auch Floskeln wie "Paukenschlag" oder "aller Zeiten" würden im Moment sehr häufig genutzt. Wobei sich Pertsch bei dem zweiten Begriff vor allem daran stört, dass die Zukunft immer direkt mit gemeint ist, wenn man von "aller Zeiten" spricht. Pertsch will mit diesem Projekt "Floskelwolke" darum die Menschen für Floskeln sensibilisieren, aber ihm rutsche auch selbst oft im Alltag so eine gängige Formulierung raus, sagt er.  

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