Geht es um den Familienstammbaum, beginnt manch eine Geschichte mit einer geheimnisvollen Kiste. Die braucht es aber nicht immer: Oft reicht es schon, sich von Dokument zu Dokument in der Zeit zurückzuhangeln, sagt Historikerin und Familienforscherin Franziska Jahn.

Der eigene Familienstammbaum ist manchmal nicht so ganz klar. Spätestens nach den Eltern der Urgroßeltern kann es kompliziert werden.

Bei NRW-Ministerpräsident Armin Laschet scheint das anders zu sein: Er gibt in seiner neuen Biografie nämlich an, dass er von Karl dem Großen abstammen soll. Der Kaiser hat im Mittelalter von 748 bis 814 gelebt.

Das heißt: Der Stammbaum von Armin Laschet müsste seine Familiengeschichte für einen Zeitraum von über 1200 Jahren dokumentieren. Historikerin und Familienforscherin Franziska Jahn schätzt, dass in diesem Fall wahrscheinlich mit Ersatzbelegen gearbeitet wurde, zum Beispiel mit Chroniken.

Dokumente als Grundlage

Das ist möglich, sicherer seien aber Dokumente wie Geburts- oder Heiratsurkunden, Kirchenbücher oder sogar Grabsteine, die Hinweise über Familienmitglieder aus der Vergangenheit eindeutig belegen, erklärt sie.

"Je weiter man zurückgeht, ist das zum großen Teil tatsächlich die Arbeit einer Historikerin."
Franziska Jahn, Historikerin und Familienforscherin

Bei ihrer Arbeit komme es oft vor, dass sie Menschen kontaktieren würden, die eine bekannte Person bewundern und auf eine mögliche Verwandtschaft mit ihr hoffen. "Das finde ich sehr menschlich, weil man wissen möchte, wo man hingehört und von wem man abstammt, aber das bewahrheitet sich bei meiner Arbeit häufig leider nicht", so die Familienforscherin.

"Ich habe viele Kunden, die gerne mit jemandem Berühmten verwandt wären – so werde ich dann auch beauftragt, die bitte zu belegen."
Franziska Jahn, Historikerin und Familienforscherin

Um den Stammbaum einer Person zu ermitteln, arbeitet sich Franziska Jahn aus der Gegenwart immer weiter in die Vergangenheit zurück. Oft ist die Recherche zum großen Teil die Arbeit einer Historikerin, da jede Familiengeschichte individuell ist - und somit auch die Dokumentenlage, erklärt sie.

Der Truhe auf dem Dachboden

Bei ihren Nachforschungen stößt Franziska Jahn oft auf ausländische Dokumente, vor allem aus Polen oder Tschechien, die sie zusammen mit Experten übersetzt. Manchmal fehlen Dokumente. Dann arbeite sie statt mit Urkunden auch mit Ersatzbelegen in Form von Melderegistern oder Adressbüchern, die deutlich machen, dass es sich um die gesuchte Person handelt.

"Es kommt auch immer etwas darauf an, was die Personen selbst über ihre Familiengeschichte wissen – auch wenn sie keinen dieser berühmten Koffer auf dem Dachboden haben", sagt Franziska Jahn. Weiter zurück als bis zum Ende des Dreißigjährigen Kriegs, also in die Zeit vor 1648, geht es aber nur selten.

Es kommt aber vor, dass sie bei ihrer Arbeit auf überraschende Familienverzweigungen stößt: Zum Beispiel hat sie durch ihre Recherche einen Astronomen entdeckt, der die Sternwarte Norddeutschland mitbegründet hat. "Das fand ich schon einigermaßen berühmt", sagt die Familienforscherin.