Leukämie-Kranke haben oft nur eine Chance auf Heilung: Ein gesunder Mensch spendet ihnen Stammzellen. Wer überlegt, sich als potenzieller Spender registrieren zu lassen, hat häufig Angst vor einem Eingriff. Meist ist die Sorge aber unbegründet. Bei einem Fussballprofi können wir gerade beobachten, wie eine Spende ohne Operation abläuft.

Lennart Thy pausiert für eine Woche. Denn der Profifußballer - derzeit beim VVV-Venlo - wird  mit seiner Blutspende einem Leukämiekranken helfen. Das geht nur, weil das Erbgut der beiden sehr ähnlich ist. Schon vor sieben Jahren hatte Lennart Thy eine DNA-Probe abgegeben und sich als Spender registrieren lassen, das teilte sein niederländischer Verein mit. Nun suchte ein "genetischer Zwilling" eine Spende. 

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Die Spende von Lennart Thy wird bei einer Stammzellentransplantation eingesetzt werden. Eine solche Therapie ist dann nötig, wenn eine Krebserkrankung mit Operation, Chemo- oder Strahlenbehandlung nicht therapiert werden kann. Vor allem ist das bei verschiedenen Formen von Blutkrebs der Fall. Dann müssen die Patienten sich einer so starken Chemotherapie unterziehen, dass ihre eigenen Stammzellen zerstört werden. Sie brauchen dann einen gesunden Spender, der genetisch zu ihnen passt. 

​Mehr Blutstammzellspenden als Operationen​

Für eine solche Spende gibt es zwei Methoden: zum einen die Knochenmarksentnahme per Eingriff, zum anderen die Blutstammzellspende, die mittlerweile viel häufiger angewendet wird. Ilka Knigge aus der Deutschlandfunk-Nova-Redaktion hat sich beide Verfahren genauer angesehen.

Verfahren 1: Knochenmarkentnahme

Für die Knochenmarksentnahme ist eine Operation mit Vollnarkose notwendig. Dabei wird Knochenmark aus dem Hüftkamm entnommen. Wer sich für die OP entscheidet, muss keine Medikamente nehmen, verbringt dafür aber drei Tage stationär im Krankenhaus und bekommt eine Vollnarkose - mit den entsprechenden Risiken.

Verfahren 2: Blutstammzellspende

Häufiger ist die zweite Variante, die sogenannte periphere Blutstammzellspende, der sich auch Lennart Thy unterzieht. Mittlerweile wird diese Methode in 80 Prozent der Fälle in Deutschland angewandt. Dabei wird der Spender nicht operiert, die Stammzellen werden stattdessen aus dem Blut entnommen. Dem Spender wird vorab fünf Tage lang ein Hormon gespritzt, das die Stammzellenproduktion anregt. Am sechsten Tag kommt der Spender ins Krankenhaus, wo dann die Zellen abgepumpt werden. Lukas Kuhlmann aus Coesfeld hat auch schon mal auf diese Weise gespendet und erzählt, wie das für ihn war:

"Das ist wie an einer Dialyse-Maschine, an der linken Seite wirst du angezapft, und dann siehst du, wie das Blut bearbeitet wird, und an der rechten Seite läuft eine klare Flüssigkeit wieder rein."
Lukas Kuhlmann, Spender

Das Blut wird durch ein Gerät geleitet, in dem die Stammzellen mithilfe eine Zentrifuge abgetrennt werden und fließt dann wieder zurück in den Körper. Lukas Kuhlmann hat nach der Spende noch ein bisschen gebraucht, um wieder fit zu werden. Das ist eine typische Reaktion auf die Behandlung: Als Nebenwirkung können grippeähnliche Beschwerden wie Kopf- und Gliederschmerzen auftreten, die aber schnell wieder nachlassen.

Wer Angst hat, kann absagen

Über die Art der Spende entscheidet der verantwortliche Arzt. Die Operation wird zwar seltener angewandt, kann in bestimmten Fällen aber auch sinnvoller sein. Das kommt auf die Leukämieform an, auf das Alter des Patienten und auf weitere Faktoren. Wenn dem Spender die Operation aber zu heikel ist, kann er noch jederzeit absagen. 

Potentielle Spender müssen folgenden Bedingungen erfüllen: 

  • Alter: zwischen 18 und 55-61 Jahren (je nach Spenderdatei)
  • keine chronischen Krankheiten 

Weltweit gibt es zahlreiche Organisationen, die Spender vermitteln, zum Beispiel die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) oder die Deutsche Stammzellenspenderdatei. Jeder, der spenden will, kann ein Wattestäbchen- oder Blutspende-Set bestellen und eine Schleimhaut- oder Blutprobe einschicken. Alternativ könnt ihr euch auch bei Registrierungsaktionen direkt persönlich typisieren lassen oder in manchen Apotheken. 

Aus den Proben ermittelt ein Labor dann Gewebemerkmale, die zusammen mit euren Kontaktdaten abgespeichert werden. Braucht ein Erkrankter eine Spende und passen eure Merkmale, werdet ihr gefragt, ob ihr spenden wollt. So wie Lennart Thy.

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