Forschende der Uni Duisburg-Essen haben mit einer Meta-Studie den statistischen Zusammenhang zwischen depressiver Verstimmung und vegetarischer Ernährung festgestellt. Ob die Ernährung depressive Verstimmungen verursacht, beantwortet die Studie allerdings nicht.

Eine Meta-Studie, bei der 13 Studien analysiert, zusammenfasst und bewertet wurden, belegt, dass es einen höheren "Depression Score" bei Menschen gibt, die sich vegetarisch ernähren. Forschende der der Uni Duisburg-Essen haben die Studie durchgeführt.

Demnach gibt es einen statistischen Zusammenhang zwischen einer depressiven Verstimmung und einer vegetarischen oder veganen Ernährung.

Ob erst die depressive Verstimmung auftritt und dann eine vegetarische Ernährung gewählt wird, oder ob Vegetarierinnen und Veganer eher zu Depressionen neigen, belegt die Studie nicht. Selbst die Studienautorin und der -autor sagen, dass Menschen mit einer depressiven Verstimmung möglicherweise eher dazu neigen, ihre Ernährung umzustellen und auf Fleisch zu verzichten.

Depressive Verstimmung und Ernährung

Bei den ausgewerteten 13 Studien haben knapp 50.000 Menschen teilgenommen. Einbezogen in die Meta-Studie wurden nur Untersuchungen, die zwischen Menschen, die Fleisch essen, und denen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, unterscheiden und auch den "Depression Score" abgefragt haben. Das heißt, die Teilnehmenden wurden nach ihrer Gemütslage befragt.

Dabei habe sich gezeigt, dass Vegetarier und Veganerinnen häufiger an depressive Verstimmungen leiden als Menschen, die Fleisch essen. Die Studienautorin und der -autor sagen aber ausdrücklich, dass ihre Meta-Studie nicht zeigt, was Ursache und was Wirkung ist.

Rein statistischer Zusammenhang

Die Forschenden zitieren allerdings eine andere Studie, aus der eine zeitliche Abfolge hervorgeht: In dieser Untersuchung hat sich gezeigt, dass die Teilnehmenden zuerst eine depressive Verstimmung aufwiesen und erst danach ihre Ernährung auf vegetarische oder vegane Lebensmittel umgestellt haben.

"Die Studienautoren sagen, es könnte durchaus daran liegen, dass Menschen, die schon eine depressive Verstimmung haben, ihre Ernährung umstellen und auf Fleisch verzichten."
Matthias Wurms, Deutschlandfunk Nova-Reporter

Für die Entscheidung zum Vegetarismus oder Veganismus sprechen laut der Forschenden zwei mögliche Gründe:

  1. Die Teilnehmenden wollten sich selbst etwas Gutes tun und haben sich deshalb für eine gesündere Ernährung entschieden.
  2. Die depressive Verstimmung der Teilnehmenden hat sich durch ihr Mitgefühl für die Tiere gesteigert. Deshalb haben sie angefangen, auf Fleisch zu verzichten.

Depressive Verstimmung durch Mangelerscheinung

Die Forschenden schließen aber nicht völlig aus, dass der Verzicht auf Fleisch sich negativ auf die Stimmung auswirken kann. Es gibt Studien, die untersuchen, ob eine depressive Verstimmung mit Eisenmangel oder einem Mangel an Vitamin B12 zusammenhängen könnte. Denn, der Mensch kann die Vitamin-B12-Gruppe fast nur aus tierischen Produkten aufnehmen.

Manche Studien stellen die These auf, dass es in manchen Gesellschaften oder sozialen Schichten auch schwierig sein kann, als Vegetarierin oder Veganer zu leben. Bisher sind diese Zusammenhänge nur wenig untersucht und es liegen nur wenig Daten dazu vor. Insbesondere zu der Frage, ob eine vegetarische oder vegane Ernährung eine depressive Verstimmung verursachen kann.

Weitere Forschung notwendig

Zudem haben die Studienautorin und der Autor nur Untersuchungen aus Deutschland, den USA und China gefunden, aber wiederum keine einzige aus Afrika, Südamerika oder auch Indien, wo bekanntermaßen viele Menschen leben, die sich vegetarisch ernähren.

Ein Thema, dem künftig sicherlich noch mehr Bedeutung zukommen wird, da Experten und Expertinnen aufgrund des Klimawandels empfehlen, dass wir weniger Fleisch konsumieren sollten.

Wer selbst unter depressiven Verstimmungen leidet und Hilfe braucht, kann sich telefonisch oder online bei der Telefonseelsorge melden. Unter den kostenlosen Hotlines 0800-111 0 111 und 0800-111 0 222 könnt ihr euch anonym und vertraulich beraten lassen. Weitere Hilfsangebote haben wir hier für euch aufgelistet.