Viele dicht besiedelte Küstenregionen sinken ab und die Gefahr durch Überflutungen steigt. Der Boden, auf dem die Städte stehen, verdichtet sich. Das hat vor allem mit dem Grundwasser zu tun – genauer mit seinem Abpumpen.

Viele Küstenstädte sinken ab. Laut einer Studie könnten im Jahr 2040 mehr als 630 Millionen Menschen in Küstenregionen leben, die sich absenken und in denen deswegen eine größere Überflutungsgefahr besteht. Hinzu kommt noch die Bedrohung durch den klimawandelbedingt steigenden Meeresspiegel.

Menschen, die in betroffenen Küstenmetropolen leben, sind also doppelt gefährdet. Der wohl wichtigste Grund für das Absinken vieler dicht besiedelter Küstenregionen ist, dass große Mengen von Grundwasser aus dem Boden abgepumpt werden. Weitere menschliche Eingriffe in die natürliche Süßwasserverteilung vergrößern diese relative Grundwasserknappheit in Küstennähe, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anne Tepper.

"In flachen Küstenregionen oder in Fluss-Deltas passiert das häufig, weil dort wegen verschiedener Eingriffe des Menschen – wie Staudämmen oder Flussbegradigungen – sowieso schon weniger Süßwasser ankommt."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Der Boden verdichtet sich in der Folge und das Niveau der Oberfläche verringert sich. Verstärkt wird dieser Effekt durch Bebauung. Gebäude verdichten das Erdreich zusätzlich und verringern die Menge an Wasser, die es aufnehmen kann.

"In Städten drücken von oben noch die schweren Gebäude auf den Boden, pressen die Erde zusammen und verdrängen zusätzlich das Wasser."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Betroffen sind vor allem Menschen in Asien, aber auch in Ägypten, den Niederlanden und Italien. Die Studie "Mapping the global threat of land subsidence" haben überwiegend Forschende des spanischen Geologischen Dienstes verfasst.

Das Magazin Science hat die Ergebnisse veröffentlicht. Die Forschenden gehen davon aus, dass sich das Problem noch verschärfen wird. Wirtschafts-, Bevölkerungswachstum und auch Dürren, die durch den Klimawandel häufiger werden, werden ihrer Ansicht nach dazu beitragen.

Flutschäden sind vorprogrammiert

Die indonesische Hauptstadt Jakarta – unser Bild – sinkt auch wegen der Entnahme von Grundwasser aus dem Boden jedes Jahr um rund 15 Zentimeter ab – stellenweise bis zu 30 Zentimeter, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anne Tepper.

Das erhöht nicht nur die Wahrscheinlichkeit von Sturmfluten, sondern kann direkt auch Gebäude und die gesamte Infrastruktur beschädigen – beispielsweise Straßen, Schienen und Leitungen.

Tokio als Vorbild

Anne Tepper berichtet weiter, dass die japanische Stadt Tokio lange Zeit ein ähnliches Problem hatte. Bei einem Niveauverlust von rund vier Metern habe die Regierung härtere Regelungen zur Wasserentnahme durchgesetzt. Das habe dann die Absenkungen gestoppt, sagt sie.

Großflächige Gegenmaßnahme sind bei der Untersuchung des spanischen Teams nicht einkalkuliert worden. Dieser an sich bedrohlichen Entwicklung kann also noch entgegengewirkt werden, so unsere Reporterin.

"Die Forschenden haben ihre Berechnungen so angestellt, dass sie mögliche Gegenmaßnahmen nicht einkalkuliert haben. Möglicherweise fällt es nicht ganz so drastisch aus wie die Prognose."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin