Drei Oscars für Netflix sind drei zu viel, findet Steven Spielberg. Für ihn machen Streamingdienste nur Fernsehen. Tatsächlich war das Oscar-Marketing für "Roma" teurer als der Film. Wir haben uns die Argumente angesehen.

Steven Spielberg möchte Filme von Streaminganbietern grundsätzlich von den Oscars ausschließen. Das sagte er bereits 2018 in einem Interview mit dem britischen Sender ITV. Für ihn sind die Streamingdienste Netflix, Amazon, Hulu und Co. vor allem TV-Anbieter. Mit Kino hätten sie nichts zu tun. 

Im Gegenteil: Die Video-On-Demand-Dienste würden die gesamte Gruppe der kleineren, weniger teuer produzierten Filme grundsätzlich dem Kino entziehen. Dem Fernsehen gehe es so gut wie nie zuvor in seiner Geschichte, für Kinogänger stelle das jedoch eine Bedrohung dar.

Diese Sicht konnte Steven Spielberg bei der Academy bisher nicht durchsetzen. Im April 2019 könnten aber neue Regeln für die Oscarvergabe diskutiert werden. Bei der 91. Oscarverleihung hat der Netflix-Film "Roma" drei Auszeichnungen erhalten. 

Aus diesem Anlass wiederholte der Regisseur seine Forderung. Sechs Oscars hat das Unternehmen bisher insgesamt erhalten [Stand März 2019]. Steven Spielbergs Wort hat in der amerikanischen Filmindustrie ein besonderes Gewicht. Er ist selbst Mitglied der Oscar-Jury und sitzt im Vorstand der Directors Guild of America.

Oscar-Marketing für "Roma" war teurer als der Film

Wichtigster Kritikpunkt bei "Roma" ist, dass Netflix zu viel Geld in gezieltes Marketing für die Oscars investiert habe und der Film nur drei Wochen exklusiv in den Kinos gewesen sei, bevor Abonnenten ihn streamen konnten.

In den vier Wochen zwischen der Oscarnominierung und der Verleihung soll Netflix zwischen 25 Millionen und 50 Millionen Dollar in gezielte Werbung für den Film investiert haben. Allein jedes einzelne Exemplar eines Werbebuchs, das Netflix großzügig verschickt hat, soll 175 US-Dollar gekostet haben. Die Produktionskosten von "Roma" lagen im Vergleich bei nur 15 Millionen Dollar. 

"Filmschaffende haben kurz vor den Oscars ein Roma-Buch im Briefkasten gehabt, das Exemplar kostet 175 US-Dollar."
Sebastian Sonntag, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Aus der US-Film- und TV-Industrie kommt auch Kritik an Steven Spielbergs Sicht auf die Streamingdienste: Seine Gegner bezichtigen den Star-Regisseur des Traditionalismus. Für sie ist er ein Erneuerungsverweigerer. 

Franklin Leonard ist Gründer der Organisation "The Black List", die einmal im Jahr die besten nicht produzierten Drehbücher veröffentlicht. Er twitterte, für ihn sei vorstellbar, dass Steven Spielberg nicht wisse, wie schwierig der Einstieg in diese Branche, dieses veraltete System sei, wenn man eine Frau sei oder eine andere Hautfarbe habe.

Netflix arbeitet schon am nächsten großen und möglicherweise auch oscarwürdigen Film: "The Irishman" von Martin Scorcese. In der Hauptrollen: Robert De Niro, Al Pacino, Joe Pesci und Harvey Keitel – die Crème de la Crème der Hollywood-Altherren. Auch dieser Film soll in den Kinos gezeigt werden, allerdings nur für zwei Wochen – danach wird gestreamt.

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