Mithilfe von VPN-Clients lassen sich Streaming-Dienste für den halben Preis nutzen. Richtig illegal ist das nicht. Aber ab April steigt das Risiko, von den Anbietern gesperrt zu werden.

Im Netz gibt es einige Anleitungen dazu, wie Netflix, Amazon Video oder andere Streaming-Dienste genutzt werden können, ohne den vollen Abo-Preis dafür zu bezahlen.

Der Trick: Über einen VPN-Dienst (VPN: Virtual Private Network) registriert sich zum Beispiel ein deutscher Nutzer bei der türkischen Ausgabe von Netflix. Dort kostet das Angebot weniger als die Hälfte als in Deutschland, weil Netflix die Abopreise auf die gängigen lokalen Preisniveaus anpasst.

Einmal registriert, kann der deutsche Nutzer auf das deutsche Angebot zurückgreifen. Denn beim Gucken von Serien und Filmen ist kein VPN notwendig. Haben die Nutzer sich also einmal per VPN bei der türkischen Netflix-Version registriert, können sie danach ganz normal ohne VPN die deutsche Netflix-Version nutzen.

VPNs zur Nutzung von Netflix und Amazon Video sind nicht illegal

Ein Aufruf, das so zu machen, ist das aber nicht. Wer sich als Deutscher bei Netflix Türkei (oder Amazon Video oder Spotify et cetera) anmeldet, verstößt damit in der Regel zumindest gegen die allgemeinen Geschäftsbedingungen.

Wenn der Schwindel auffliegt, droht im schlimmsten Fall die Account-Sperrung. Davon abgesehen könnten mit dieser Vorgehensweise die Preise für die Streaming-Dienste in günstigen Ländern wie der Türkei in die Höhe getrieben werden - zumindest dann, wenn ausreichend viele Nutzer diesen Trick anwenden.

"Früher haben User oft mithilfe eines VPN die USA-Ausgabe von Netflix geguckt - was jetzt schon länger nicht mehr wirklich funktioniert. Beim Abschluss eines Neuabos scheint die Überprüfung aber nicht so streng zu sein."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

Eindeutig illegal ist das alles aber nicht. Bjoern Krass, Lehrbeauftragter an der Hochschule der populären Künste in Berlin sagt: "Es gibt kein Gesetz, das es mir verbieten würde, mich beispielsweise über einen Server in den USA irgendwo anzumelden." Im Zweifel sei hier der Anbieter in der Pflicht, das Online-Angebot besser abzugrenzen.

Streaming-Anbieter versuchen immer wieder, die Nutzung per VPN unmöglich zu machen, was vermutlich nie ganz klappen wird. Davon abgesehen gibt es auch gute Gründe, VPNs zu nutzen.

Ab April: Streaming-Angebot von zu Hause im Ausland nutzen

In Zukunft dürfte die Überprüfung des Aufenthaltsortes der Nutzer für die Anbieter aber sowieso etwas einfacher werden. Denn wenn im April 2018 das Geoblocking für Netflix und Co. wegfällt, ist es den Anbieter erlaubt, sogenannte ländergebundene Informationen anzufordern. Das sind zum Beispiel: Wohnsitznachweis, Kreditkarteninformationen, IP-Adresse im laufenden Betrieb.

Der Vorteil für die Nutzer: Sie können in ganz Europa das heimische Streaming-Angebot nutzen. Im Spanienurlaub können also zum Beispiel deutsche Amazon-Video-Nutzer auch ihre bekannten Filme und Serien gucken, ohne auf die spanische Version umsteigen zu müssen.

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