H&M dreht in New York ein Werbevideo vor einer Wand mit Graffiti. Das stammt vom Street-Art-Künstler Jason Williams alias Revok, der nun ziemlich sauer ist, weil H&M ihn nicht gefragt hat. 

Der Künstler Revok hat H&M eine Unterlassungserklärung geschickt. Denn die kommerzielle Nutzung schade seinem Ruf und seiner Kunst, findet er. H&M hat diese Unterlassungserklärung aber nicht unterschrieben, sondern ebenfalls einen Anwalt beauftragt mit einer Klage, die das Graffiti von Revok als "Produkt kriminellen Verhaltens" bezeichnet, also als illegal. Deshalb habe der Künstler keine Copyrightansprüche. 

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H&M löst Shitstorm aus

Bis vor ein paar Tagen sah es so aus, als würden sich Revok und H&M vor Gericht treffen. Doch dann hat H&M ziemlich viel Gegenwind bekommen: Die Gegner haben Schaufenster von H&M beschmiert und unter #fuckhm bei Instagram gepostet. H&M hat daraufhin eingelenkt und erklärt, dass sie mit dem Künstler im Gespräch sind und ihre Klage haben fallen lassen.

"Street Art ist und bleibt aber natürlich eine kreative Leistung eines bestimmten Künstlers oder einer bestimmten Künstlerin. Und das muss auch anerkannt und honoriert werden."

Im ideellen Sinne gehört Street Art der Öffentlichkeit, sagt Rudolf Klöckner, Blogger und Kurator aus Hamburg. Wenn ein Unternehmen wie H&M ein Graffiti kommerziell nutzt, muss es den Künstler aber trotzdem fragen und finanziell beteiligen. Selbst dann, wenn sich der Künstler unerlaubt auf einer Wand verewigt hat. Der Eigentümer der Wand darf das Graffiti zwar entfernen, aber solange es noch zu sehen ist und eine "erforderliche Schöpfungshöhe" übersteigt, gilt das Urheberrecht des Künstlers. 

"Wenn man guckt, was die Schlagworte der Werbung sind, wenn es um junge Zielgruppen geht, ist es halt, dass es so kreativ, jung, urban sein soll. Und da trifft Street Art und Graffiti passend rein."

Street Art in Werbung ist schon seit Jahren ziemlich beliebt. Werke von Banksy sind schon mal für eine Werbekampagne mit Schuhen ausgestattet worden und dazu gab es Videos im Netz. Der aktuelle Fall mit H&M und Revok könnte Unternehmen für die Zukunft sensibilisieren - denn vom erhofften coolen Image ist für H&M gerade nicht mehr viel übrig. 

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