Durch Luftverschmutzung sterben in der EU jedes Jahr 400.000 Menschen früher, sagt eine Studie der Europäischen Umweltagentur EEA zu gesundheitlichen Problemen durch Umweltschäden.

13 Prozent aller Todesfälle in der EU hängen mit Umweltfaktoren zusammen, so eine neue Studie der Europäischen Umweltagentur (EEA). Im Jahr 2018 waren das 630.000 Fälle. Die Studie zeigt nicht nur auf, welche Gesundheitsprobleme durch Umweltschäden auftreten können, sondern auch, wie viele "vorzeitige Todesfälle" dadurch verursacht werden könnten – also, wie viele Menschen vor ihrer durchschnittlichen Lebenserwartung dadurch versterben.

Luftverschmutzung als gefährlichster Faktor

Der gefährlichste Umweltfaktor ist demnach die Luftverschmutzung: Feinstaub, Stickoxide oder auch Ozon sollen im Jahr 2018 für 400.000 vorzeitige Todesfälle mitverantwortlich gewesen sein.

"Feinstaub, Stickoxide, Ozon und Co waren 2018 für mehr als 400.000 vorzeitige Todesfälle mitverantwortlich."
Inga Gebauer, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die Forschenden der Studie erwähnen allerdings auch, dass die Zahlen seit 1990 kontinuierlich gesunken sind. Damals lag die Zahl bei einer Million Todesfällen. Sie gehen deshalb davon aus, dass die bereits durchgeführten Umweltmaßnahmen gewirkt haben.

Folgen des Klimawandels auch mit einberechnet

Als zweitwichtigsten Faktor nennen die Forschenden die Lärmbelastung, vor allem den Verkehrslärm. Lärm kann zu Tinnitus oder anderen Gehörproblemen beitragen. Er kann aber auch Schlafmangel, Wahrnehmungsstörungen und Herzkrankheiten verursachen, weil der Körper bei Lärm Stress empfindet. Auch schädliche Chemikalien sollen laut der Studie viele Krankheiten auslösen.

Die Forschenden haben außerdem die Todesfälle mitgerechnet, die direkt durch die Folgen des Klimawandels wie beispielsweise durch Hitzewellen, Überschwemmungen oder Waldbrände verursacht werden. Zusätzlich wurden Todesfälle durch indirekte Folgen wie eine schlechtere Lebensmittelversorgung oder die schnellere Verbreitung von Krankheiten miteinbezogen.

Umweltschäden nur ein Teil aller Auslöser

Bei den aufgeführten Gesundheitsproblemen handelt es sich zu 90 Prozent um nichtübertragbare Krankheiten wie Krebs, Herzerkrankungen, Diabetes, Atemwegsprobleme, aber auch neurologische Krankheiten. Umweltschäden können jedoch auch die Ausbreitung von ansteckenden Krankheiten fördern, indem beispielsweise mehr Erreger von Tieren auf Menschen überspringen.

Für all diese Krankheiten sind die Umweltschäden allerdings nicht alleine verantwortlich, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Inga Gebauer. Auch andere Risikofaktoren – wie wenig Bewegung, ungesunde Ernährung, Übergewicht, Rauchen oder Alkohol – tragen zu den Krankheiten bei.

Kritik an der Formulierung "vorzeitige Todesfälle"

Letztes Jahr im März gab es bereits eine ähnliche Hochrechnung zu vorzeitigen Todesfällen. Das Max-Planck-Institut in Mainz hatte berechnet, dass jedes Jahr weltweit 8,8 Millionen Menschen allein aufgrund von Luftverschmutzung vorzeitig sterben. Die Kritik daran war: Luftverschmutzung als Todesursache gibt es nicht, sondern nur den Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und den daraus folgenden Krankheiten wie Lungenkrebs oder Schlaganfall. Zudem sagten die Zahlen nichts darüber aus, wie viel früher man vorzeitig stirbt.

"Verlorene Lebenszeit" als bessere Einheit

Eine bessere Größe sei deshalb die "verlorene Lebenszeit". In der neuen EEA-Studie haben die Forschenden dazu eine Gesamtzahl für alle Umweltfaktoren errechnet: 2018 gingen durch Umweltschäden etwa 20 Millionen gesunde Lebensjahre verloren. Um es etwas konkreter zu machen: Heruntergebrochen auf die Einwohnerzahl der EU wären das pro Person elf verlorene Lebenstage. Da die Länder der EU allerdings sehr unterschiedlich von Umweltverschmutzung betroffen sind, ist es schwer einen Durchschnittswert zu errechnen, sagt Inga Gebauer.

"2018 gingen durch Umweltverschmutzung etwa 20 Millionen gesunde Lebensjahre verloren."
Inga Gebauer, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Vor allem osteuropäische Länder sind von der Umweltverschmutzung deutlich stärker betroffen als beispielsweise Skandinavien oder auch Deutschland. Und auch die ärmeren Schichten der EU-Länder spüren die Folgen mehr als reichere Menschen.

Die Forschenden empfehlen deshalb auch, dass sich Umweltschutzmaßnahmen gezielt auf stärker betroffene Regionen und soziale Gruppen konzentrieren sollten.