David sitzt im Gefängnis. Er hat dort nicht viel Ablenkung. Dafür aber umso mehr Zeit. Und die nutzt er, um Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Auch wenn er nur eingeschränkten Zugang zu Lehrmaterial hat. Er hofft auf eine bessere Perspektive für die Zeit nach seiner Haft.

David (Name auf Wunsch geändert) sitzt wegen eines Tötungsdeliktes in der Justizvollzugsanstalt Remscheid ein. Er wird dort auch noch ein paar Jahre bleiben. Langweilig wird ihm allerdings nicht, denn er nutzt seine Zeit so gut es geht. Wenn er nicht in der Schreinerei arbeitet, studiert er Wirtschaftswissenschaften. Vorher hat er schon sein Abitur in der Haftanstalt gemacht. Manche seiner Mithäftlinge halten ihn deswegen für einen Spießer.

"Bei manchen kommt das als Spießer rüber, weil man das im Gefängnis nicht kennt. Ausbildung okay, aber Studium kennen die meisten nicht, einige wissen auch gar nicht, dass man überhaupt im Gefängnis studieren kann."
David sitzt in der JVA Remscheid ein

Einzusitzen habe eben auch Vorteile, sagt David, denn es gebe keine Ablenkung und er könne sich voll auf sein Studium der Wirtschaftswissenschaften konzentrieren. Viele seiner Mithäftlinge wussten gar nicht, dass man im Gefängnis studieren kann, erzählt er. Es geht auch nicht überall, aber manche Haftanstalten ermöglichen ihren Insassen diese Form der Weiterbildung. Denn ein Hochschulabschluss kann eine bessere Perspektive für ein späteres Leben in Freiheit bieten.

Studium für Häftlinge bisher nur an der Fernuni möglich

David ist an der Fernuniversität Hagen eingeschrieben. Damit ist er einer von 100 Gefängnis-Insassen, die dort immatrikuliert sind. Die Fernuni ist bisher die einzige Möglichkeit, für ein Studium in Haft. Volker Zersch ist der Ansprechpartner an der Hochschule. Er sagt, dass alle Interessenten gleichwertig behandelt würden.

"Wenn man die Chance hat, sich für die Zukunft vorzubereiten und für das Leben generell, dann finde ich, sollte man die Chance auch nutzen."
David studiert während er eine Haftstrafe absitzt

Zwar gelten für David die gleichen Regeln wie für andere Studierende, aber er ist viel stärker eingeschränkt, wenn es darum geht, an Informationen zu kommen.

Zweimal in der Woche darf er in den Computerraum, für jeweils eine Stunde und 15 Minuten. Er arbeitet mit einem Programm namens ELIS – das bedeutet E-Learning im Strafvollzug.

Für sein Studium werden für David verschiedene Internetseiten freigeschaltet: die Seite der Fernuni Hagen, digitale Wörterbücher, Gesetzestexte und Chemie-Lexika.

Alles andere kann David nur eingeschränkt oder gar nicht nutzen: Wikipedia steht nur in der Offline-Version zur Verfügung. Erklärvideos auf YouTube, Online-Nachhilfe, der Austausch mit anderen Kommilitonen über Whatsapp-Gruppen und Facebook fallen für ihn jedoch komplett weg.